Autor: MeerBalance

  • Unterwegs

    Unterwegs

    Ich liebe Spaziergänge und Wanderungen. Ich mag dieses stetige In-Bewegung-Sein und wie sich die Umgebung während eines Spaziergangs verändert. Die Atmung fließt dabei von ganz alleine und der Körper wird durchlässig.

    Gestern Abend fand in Koblenz das jährliche Rhein in Flammen statt. Bisher kannte ich dieses beeindruckende Ereignis aus Bonn und wollte mir nun einen Eindruck von Koblenz machen.

    Von meiner ehemaligen Uni bis zum Deutschen Eck sind es etwa 4,5 Kilometer – in ungefähr einer Stunde zu erreichen.

    Start unserer Wanderung waren der Uni-Parkplatz und der Campus. Ich erklärte und zeigte meinem Lieblingsmenschen die Gebäude und es entwickelte sich ein Gespräch über Fähigkeiten und darüber, wie sich Ziele im Laufe eines Lebens verändern können.

    Wir fanden einen Weg zur Mosel und liefen entlang der Promenade an vielen kleineren und größeren Yachten vorbei.

    Über die Fußgänger-Stahlbrücke, den Wehrsteg, überquerten wir die Mosel an ihrer letzten Staustufe. Etwa zehn Meter unter uns konnten wir in die Schleusenkammern schauen. Neben uns rauschte die Mosel am Wehr einige Meter hinab und weiter Richtung Rhein.

    Ab hier wurde die Promenade immer voller. Und schon von Weitem sahen wir das Riesenrad locken.

    Ein wunderschöner Abend, ein traumhafter Spaziergang und natürlich:

    zurück auch.

  • Jetzt kann es losgehen.

    Jetzt kann es losgehen.

    10 Uhr. Wochenende. Ich bin richtig gut ausgeschlafen.

    Katzen, Meerschweinchen und Fische sind gut gelaunt und der Tag steht in den Startlöchern.

    „Es kann losgehen“, lachen die Sonnenstrahlen mich durch die Fenster an.

    Der frisch zubereitete Smoothie kühlt im Kühlschrank runter, meine Lieblingsmenschen sind im Trott.

    „Gleich“, zwinkere ich den Sonnenstrahlen zu.

    Auf dem Weg vom Kompost zurück zum Haus greife ich mir spontan den Liegestuhl. Ich richte ihn zur Sonne hin aus und … aaaahhhh … keiner will was von mir.

    Kippfunktion nach hinten, Füße hoch, Körper und Gewicht an die Unterlage abgeben.

    Durch die geschlossenen Augen leuchtet das Sonnenlicht – samtig orange. Ein leichter Windhauch weht zart über meinen Körper, über die Oberschenkel, den Bauch, lässt die feinen Härchen um mein Gesicht vibrieren und kitzelt mich.

    Ich hebe die Hand vor die Augen und schaue durch schmale Schlitze.

    Die Sonnenstrahlen werden zu schillernden Perlenketten.

    Die bewegten Bäume seufzen und ich höre den Wind fröhlich:

    „Es kann losgehen.“

    Ja, denke ich.

    Jetzt kann es losgehen.

  • Den Kopf frei rätseln

    Den Kopf frei rätseln

    Es gibt für mich eine sehr effektive Möglichkeit, mich von schwierigen Themen abzulenken.

    Vor einem Jahr war ich noch ein richtiger Rätselanfänger. Wörter finden, Sudoku und Schüttelrätsel waren meine Favoriten. Diese Rätsel konnte ich beeindruckend schnell lösen.

    Ein Jahr später traue ich mich auch an Schwedenrätsel. Hier sind Allgemeinwissen und manchmal sehr spezielle Themen gefragt. Mittlerweile weiß ich einiges über die Bibel, Geografie oder Medien – zwangsläufig. Ein halb ausgefülltes Rätsel fühlt sich einfach nicht richtig an. Gut, dass es Lösungen gibt. Und schön, wenn sich Begriffe wiederholen und sich Wissen ganz nebenbei verfestigt.

    Das angeeignete Wissen ist jedoch gar nicht das Wichtigste, wenn ich mein dickes Rätselbuch aufschlage.

    Das gemeinsame Knobeln mit meinem Lieblingsmenschen, die vielen lustigen Momente und das bewusste Ablenken – genau das finde ich zwischen den Rätseln.

    Denn wenn ich über Nebenflüsse, Synonyme oder Hauptstädte nachdenke, ist kein Platz mehr für schwere Gedanken.

  • Balance der Woche #002 – Atem – Lebenshauch

    Balance der Woche #002 – Atem – Lebenshauch

    Dein Atem begleitet Dich jeden Moment – oft, ohne dass Du ihn bewusst wahrnimmst.

    Wir können unseren Atem beeinflussen.

    Und wir können ihm auch einfach vertrauen.

    Diese Woche möchte ich Dich einladen, einen Moment stehen zu bleiben.

    Nicht, um Deinen Atem zu verändern.

    Sondern, um ihm aufmerksam zu begegnen.

    Dein Wellenimpuls

    Diese Woche darfst Du Deinen Atem neu entdecken.

    Nicht kontrollieren.

    Nicht bewerten.

    Einfach wahrnehmen.

    Drucke Dir den Wellenimpuls aus oder speichere ihn auf Deinem Tablet. Suche Dir einen ruhigen Ort und nimm Dir ein paar Minuten Zeit für Dich. Vielleicht überrascht Dich, wie viel Ruhe bereits in Deinem nächsten Atemzug steckt.

    Ich wünsche Dir viele kleine Momente des Innehaltens.

    Vielleicht wird aus einem bewussten Atemzug ein neuer Anker für Deinen Alltag.

    Bis nächste Woche.

  • Fundstücke

    Fundstücke

    Sommer.

    Der Rhein hat seinen historischen Tiefstand erreicht.

    Es zieht uns nach draußen. Mit dreien meiner Lieblingsmenschen schlendere ich durch die Natur – mehr fokussiert als zielorientiert.

    Im Gepäck befinden sich frische, kühle Weintrauben, zarte Butterkekse, lockeres Sauerteigbrot und reichlich prickelndes Wasser.

    Wir pflücken reife, überreife und auch noch unreife Brombeeren. Wir empfinden die trockengelegten Algen als bizarr. Lassen uns gerne vom starken Wind erfassen und uns die Haare durcheinanderwirbeln.

    Wir lachen, staunen und genießen.

    Wir suchen, entdecken und kreieren.

    Ein langer Tag, der viel zu schnell zu Ende ging.

    Erfüllt und taub vor Glück lehnen wir uns am Abend zurück und verschwenden unsere Zeit mit den allerschönsten Momenten des Tages. Wir lassen sie nachklingen, denn es gibt nichts anderes zu tun.

    Ein paar Momente später erfasst uns dieses Glück erneut, als wir den Rucksack leeren und Muscheln, Steine, Federn und jede Menge Sand in unseren Händen halten.

    Das war ein bleibender Moment.

  • Johannisbeeren – ein Sommerritual

    Johannisbeeren – ein Sommerritual

    Es gibt Rituale, auf die ich mich jedes Jahr aufs Neue freue. Eines davon beginnt an einem Sommermorgen – barfuß auf der taunassen Wiese, mit einer leeren Schale in der Hand und dem Weg zu unserem alten Johannisbeerstrauch.

    Wir haben einen sehr üppigen und alten Johannisbeerstrauch im Garten. Seine Früchte leuchten, wenn sie reif sind, in einem durchscheinenden Rot. Zwischen Juni und August darf ich dort reichlich ernten.

    Vor dem Frühstück schnappe ich mir eine Schale und gehe barfuß über die vom Morgentau feuchte Wiese zu dem Strauch. In der aufgehenden Sonne pflücke ich eine halbe Schale voll dieser leckeren Früchte.

    Von jeder Rispe nehme ich nur die größten, prallsten und reifsten Johannisbeeren. Meist sitzen sie ganz oben.

    Glücklich über diese Ernte aus dem eigenen Garten gebe ich die Johannisbeeren anschließend in meinen Mixer zu den anderen Zutaten für mein Frühstück.

    Heute holte ich mir die letzten guten Johannisbeeren. Die verbliebenen Früchte sind inzwischen eingetrocknet oder werden bereits von anderen Gartentieren genossen. Für mich ist das ein Zeichen, dass die Johannisbeerzeit für dieses Jahr zu Ende geht.

    Über dem Johannisbeerstrauch breiten sich die Äste unseres Apfelbaums aus. Zwischen den Blättern hängen bereits kleine, aber kräftige Äpfel. Während ich nach oben schaue, freue ich mich schon auf das, was als Nächstes kommt.

    Jede Jahreszeit bringt ihre eigenen kleinen Schätze hervor. Ich genieße sie, solange sie da sind, und freue mich auf das Wiedersehen im nächsten Jahr.

  • Ich denke an Dich

    Ich denke an Dich

    Ich habe das große Glück, mit einigen meiner Lieblingsmenschen zusammenzuleben.

    Wir begegnen uns im Alltag, leben nebeneinander her und gehen unseren eigenen oder gemeinsamen Aktivitäten nach. Auch wenn einer meiner Lieblingsmenschen gerade unterwegs ist, wissen wir mit Sicherheit, dass dieser Mensch wiederkommen wird. Darüber hinaus ist grundlegendes Vertrauen eine Gewissheit, die wir nicht ständig prüfen müssen und die uns innere Ruhe schenken kann.

    So sehr ich auch dafür bin, dass jeder Mensch für sich selbst stehen und eine eigenständige Persönlichkeit sein darf, so glaube ich doch, dass wir alle das Bedürfnis haben, Verbindung zu anderen Menschen aufzubauen und zu pflegen. Zumindest kenne ich das Gefühl des Alleinseins, das – wenn man sich lange damit beschäftigt – leicht in Einsamkeit übergehen kann.

    Wie schön, erfüllend und bestätigend ist da ein kleiner Impuls unserer Lieblingsmenschen, der uns zeigt, dass wir ihnen wichtig sind.

    Einer meiner Lieblingsmenschen ist ein Meister darin, Nähe und Verbindung entstehen zu lassen.

    Kleine Nachrichten, die auf dem Küchentisch oder an meiner Kinderzimmertür hingen, waren schon in meinem Elternhaus Gang und Gäbe.

    „Viel Erfolg bei der Mathearbeit.“
    „Im Kühlschrank ist noch Joghurt.“
    „Bin im Museumsgarten. Gegen 13 Uhr zurück.“

    So und viele weitere.

    Nicht bloß informativ – auch herzlich.

    Er hat an mich gedacht, obwohl ich gar nicht da war. Er hat für mich mitgedacht. In diesem Moment spüre ich: Ich bin ihm wichtig.

    Meist stehe ich später auf als mein Lieblingsmensch. Im Bett tappt meine Hand ins Leere. Ich gehe meiner Morgenroutine nach.

    Dann entdecke ich in der Küche – auf dem Schrank, dem Esstisch oder der Küchenzeile – einen kleinen, manchmal auch größeren Zettel.

    Kleine Zeichnungen: eine Sonne, ein zwinkernder Smiley, ein Herz.

    Symbole.

    Und Symbole tragen Bedeutung in sich. Sie stehen für Gedanken, Erinnerungen oder Gefühle.

    Dieses Gefühl spüre ich sofort.

    Meine Augen gehen der Schrift nach. Ein Lächeln legt sich auf meine Lippen. Ich lese die Nachricht noch einmal. Und noch einmal.

    Ich bin glücklich.

    Ich nehme mir einen Stift und schreibe zurück. Aus einer kleinen Nachricht entsteht eine Unterhaltung.

    Sinngemäß:

    „Ich denke an Dich.“

    „Du bist mir wichtig.“

    Danke, dass es Dich gibt.

  • Kleine Erfolge feiern

    Kleine Erfolge feiern

    Ich möchte Erfolge würdigen.

    Nicht, um das große Ziel aus den Augen zu verlieren, sondern weil jeder einzelne Schritt bereits Teil des Weges ist.

    Oft höre ich den Satz: „Feiere kleine Erfolge, aber verliere das Ziel nicht aus den Augen.“ Er klingt zunächst sinnvoll. Und doch frage ich mich, ob der zweite Teil nicht manchmal die Freude über den gerade erreichten Schritt wieder etwas kleiner macht.

    Wenn wir einen Erfolg erleben, dürfen wir ihn doch einfach genießen.

    Vielleicht fühlen wir uns danach ein wenig mutiger. Ein wenig stabiler. Ein wenig reflektierter. Vielleicht entdecken wir Fähigkeiten in uns, die wir vorher gar nicht gesehen haben.

    Das große Ganze – meine Träume, meine Werte oder das, worauf es mir im Leben wirklich ankommt – trage ich ohnehin in mir. Genau deshalb bewege ich mich ja Schritt für Schritt darauf zu.

    Jede Etappe macht den neuen Zustand ein Stück vertrauter.

    Heute Morgen zog es mich in den Wald.

    Ich suchte Bewegung und gleichzeitig Entspannung.

    Dort wird mir immer wieder bewusst, dass der Wald etwas viel Größeres ist als ich selbst. Ich nehme seine Vielfalt wahr, seine Kraft und seine Ruhe. Alles scheint seinen Platz zu haben. Alles wirkt im Gleichgewicht.

    Ich lasse mich von den Gerüchen tragen, beobachte das wechselnde Licht zwischen den Bäumen und die vielen Grüntöne des Waldes.

    Zwei Rehkitze nehmen mich kaum wahr. Und ich sie ebenso wenig.

    Während dieser Zeit im Wald entsteht etwas Besonderes.

    Innerer Frieden.

    Vertrauen.

    Glücksgefühl.

    Dieser Moment vergeht.

    Doch er hinterlässt etwas in mir.

    Vielleicht genau deshalb suche ich solche Momente immer wieder bewusst auf.

    Denn jeder einzelne von ihnen macht den Menschen, der ich sein möchte, ein kleines Stück stärker.

  • Im Rhythmus des Morgens

    Im Rhythmus des Morgens

    Meine Mutter hing einst einen Zeitungsartikel in unserer Küche auf: „Schlauer in Mathe durch Frühstück.“

    In Mathe war ich als Jugendliche allerdings eher so: Ist es zu einfach, ist es falsch. Dort fiel mir auch zum ersten Mal auf, dass das Wort „ungenügend“ erstaunlich lang ist. Meine Noten änderte das Frühstück jedenfalls nicht – obwohl ich ohnehin jeden Morgen gerne frühstückte.

    Mein Vater weckte mich rechtzeitig, sodass ich noch in Ruhe an unserem kleinen Küchentisch sitzen konnte. Während meine Oma geschäftig durch die Küche wuselte, standen für uns Kinder immer viele gute Lebensmittel bereit: frisches Obst, Cerealien, selbstgebackenes Brot und verschiedener Aufschnitt. Es war ganz selbstverständlich, den Tag gemeinsam mit einem Frühstück zu beginnen.

    Viele Jahre später, während meines Sportstudiums, sah mein Morgen ganz anders aus. Bei bis zu sieben aktiven Sportstunden am Tag verlangte mein Körper nach deutlich mehr Energie. Zuhause gab es meist Brot oder Haferflocken. Obst für unterwegs mitzunehmen war dagegen schwierig. Entweder passte es nicht mehr in meine Tasche oder es kam zerdrückt zwischen Heften und Ordnern an und hinterließ dort einen ganz eigenen Duft.

    Also kaufte ich mir einen Mixer.

    Mittlerweile ist es bereits der dritte. Ohne ihn möchte ich eigentlich nicht mehr sein. Ein Pürierstab funktioniert zwar auch, aber längst nicht so unkompliziert.

    Die Zutaten meines Frühstücks haben sich über die Jahre immer wieder verändert – und wahrscheinlich werden sie das auch weiterhin tun. Sie richten sich nach meinem Geschmack, meinen aktuellen Bedürfnissen, neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und natürlich nach der Jahreszeit.

    Im Moment schmeckt und tut mir diese Mischung besonders gut:

    Milch, Quark, Haferflocken, Leinöl, Wasser, gemahlene Haselnüsse, ein Apfel mit Schale, eine Banane (ohne Schale ;D), Beeren

    Früher dachte ich, Frühstück sei einfach die erste Mahlzeit des Tages. Heute empfinde ich es als einen ruhigen Beginn. Ich nehme mir bewusst Zeit, meinen Körper mit dem zu versorgen, was er gerade braucht. Nicht jeder Morgen sieht gleich aus – und genau das macht für mich den Rhythmus des Lebens aus.

    Ob Frühstück tatsächlich schlauer in Mathe macht, weiß ich bis heute nicht. Mir schenkt es aber etwas anderes: einen guten Start in den Tag.

  • Der Boden trägt Dich

    Der Boden trägt Dich

    Schwere ist nicht nur Belastung. Schwere gibt Halt. Sie verbindet uns mit dem Boden und macht uns spürbar. Gedanken können unsere Muskelspannung und damit unsere innere Balance beeinflussen. Manchmal beginnt Entspannung genau dort, wo wir lernen, unser Gewicht bewusst loszulassen.

    Wieviel Gewicht ein entspannter Körper tatsächlich hat, wurde mir bewusst, als ich beim Rettungsschwimmerkurs meine Partnerin „bewusstlos“ aus dem Wasser ziehen sollte. Es gibt hierfür bestimmte Griffe, um einen schlaffen Körper aus dem Wasser herausziehen zu können. Wenn keine Gedanken und Erwartungen des Gehobenen den Hebenden unterstützen, wirkt der Körper spürbar schwerer.

    Muskelentspannungsübungen praktiziere ich schon seit über 15 Jahren. Ich war ein sehr aktives, lebendiges Kind. Ständig auf Bäumen und Mauern unterwegs. Rennen gab mir das Gefühl vom Fliegen – und ich war richtig schnell.

    Mein Muskeltonus, so sagte mir einst ein Orthopäde, als ich ihn von Rückenschmerzen geplagt und ratlos aufsuchte, sei sehr hoch. Also eine gesunde Grundspannung? Nein, eher überdurchschnittlich – und damit war meine Balance bereits aus dem Gleichgewicht geraten.

    Das ist inzwischen über zwanzig Jahre her.

    Wärmeflaschen, Kirschkernkissen, Wärmepflaster, Massagen, muskelentspannende Medikamente, Spritzen. Als mein Hausarzt mir mit 24 Jahren Morphium geben wollte, war für mich klar: So geht es nicht weiter. Ich ahnte, dass dieser Weg für mich nicht der richtige sein würde, und lehnte ab.

    Ich kam in ein Reha-Zentrum. Wegen guter Führung durfte ich sogar eine Woche länger bleiben als geplant. Dort lernte ich etwas, das mich bis heute begleitet: das gesunde Maß zwischen Anspannung und Entspannung.

    Ein langer Weg liegt inzwischen hinter mir. Jahr für Jahr wurden die Schmerzen weniger.

    Heute weiß ich, was ich damals noch nicht verstehen konnte.

    Ich habe einen starken Geist und eine lebendige Vorstellungskraft. Mein Körper reagiert zuverlässig auf meine Gedanken. Bin ich im Kopf konzentriert, geht mein Körper automatisch mit. Damit meine Muskeln und mein Skelett auch einmal Pause und Regeneration bekommen, muss ich ganz bewusst in die Schwere gehen. Von allein passiert das – zumindest bei mir – nicht.

    Vor kurzer Zeit durfte ich von einer beeindruckenden Frau eine einfache Übung kennenlernen, die sich wunderbar in den Alltag integrieren lässt. Man muss dafür weder liegen noch sitzen.

    Gewicht an den Boden abgeben.

    Egal, ob ich gerade stehe oder gehe.

    Die Grundspannung in meinen Waden lässt nach. Meine Schultern sinken Richtung Boden. Ich spüre ganz bewusst den Untergrund unter meinen Fußsohlen. Mit jedem Schritt gebe ich ein wenig Gewicht ab. Wie eine Katze, die mit ihren Samtpfoten sanft in warmen Sand einsinkt.

    Der Boden trägt mich.

    Immer.

    Zuverlässig.

    Ich muss mich nicht auf der Erdoberfläche festklammern. Ich darf Gewicht abgeben.

    Ich spüre Vertrauen in die Erde.

    Ich bin geerdet.

    Ein tiefer Atemzug.

    Sorgen ausatmen.

    Ich werde vom Boden getragen.