Autor: MeerBalance

  • Entspannende Tätigkeiten

    Entspannende Tätigkeiten

    Ich habe viele Dinge, die mich entspannen. Und viele Tätigkeiten, die mir Freude bereiten, obwohl sie nicht wirklich produktiv oder effizient sind.

    Einige davon sind kognitiv anfordernd, wie Rätsellösen oder Kochen, andere sind kognitiv immens entlastend.

    Diamond Painting ist für mich so eine Tätigkeit, bei der ich mich kognitiv nicht gefordert fühle.

    Die immergleiche Bewegung der Hand geht nach einer Zeit vollkommen automatisch.

    Ich kann, obwohl ich mich mit einer Tätigkeit im Außen beschäftige, mich voll und ganz mir selbst widmen.

    Ich stelle die Beine locker nebeneinander, die Füße flach auf den Boden. Meine Schultern sind entspannt und hängen locker. Ich achte auf einen ziemlich geraden und stabilen Oberkörper mit leichter Grundspannung.

    Diamond Painting mache ich in einem hellen, freundlichen Raum mit großen Fenstern zur Natur hinaus. Ich mache mir wunderschöne Hintergrundmusik an, die ruhig und gleichmäßig klingt.

    So vertieft hänge ich meinen Gedanken nach – nur ein Stück weit.

    Ich versuche, nicht zu bewerten, sondern andere Perspektiven einzunehmen, um mich im nächsten Moment wieder vollkommen meiner Tätigkeit zuzuwenden: dem Diamond Painting mit seinen Tausenden von Miniatursteinchen.

    Wenn man alles bis hierhin getan hat, alles auf den Weg gebracht hat und entweder nur wartet oder nicht mehr warten muss, dann lohnt sich für mich genau diese Tätigkeit.

    Es muss nichts dabei rauskommen,
    außer, dass es mir jetzt in diesem Moment unglaublich gut geht.

  • Sein

    Sein

    Was wir im Alter lernen, lernen wir von den Kindern, weil wir es durch Erwachsene, als wir noch Kinder waren, verloren haben.

    Ich finde das gar nicht abwegig. Erstens, weil ich es selbst so erlebt habe, und zweitens, weil nicht jeder Erwachsene Kinder erst zurechtbiegen muss, bevor diese selbst erwachsen werden. Erwachsenwerden ist nämlich ganz einfach.

    Warum wollen Kinder erwachsen werden?

    Ich habe gesehen, wie meine Oma Einkaufszettel schrieb. Sie hatte die unendliche Macht anzugeben, welches Mittagessen wir an welchem Tag aßen – und welchen Nachtisch es dazu gab.

    Meine Eltern machten sich für die Arbeit fertig. Ganz schick. Also musste Arbeitengehen etwas sehr Wichtiges und auch Schönes sein. Schickmachen kannte ich von Familienfeiern und Feiertagen. Das konnte nur etwas Gutes bedeuten.

    Meine älteren Geschwister bekamen irgendwann ihr eigenes verdientes Geld. Sie zeigten mir stolz ihre ersten selbstgekauften Baggyhosen, Pullover und luden mich zu einer großen Portion Eis ein.

    Dass man tut, was Mama und Papa sagen, war ja klar. Also Eltern werden musste auch prima sein.

    Alles in allem wurde einem vermittelt: Erwachsen werden ist mega toll. Mach das!

    So wurde ich groß.

    Als ich endlich Verantwortung übernehmen durfte, wollte ich das unbedingt.

    Ich tat viele Dinge auf meine Weise.

    Denn ich hatte das große Glück, nicht Erwachsene zu haben, die ständig sagten: „Du musst aber dies und jenes“ oder „Es wäre besser, wenn Du erst …“. Denn die Anforderungen, die ich an mich stellte, waren die, die man ohnehin zum Erwachsenwerden benötigte.

    Und die kommen auch, ohne dass ein Erwachsener schon im Kindergartenalter anfängt zu sagen: „Uh, Schule. Da beginnt der Ernst des Lebens.“

    Denn den Ernst kenne ich sehr gut. Der begegnet mir immer dann, wenn ich an Erwachsene denke oder mit welchen zu tun habe, die wollen oder wollten, dass ich erwachsen bin – entweder als ich noch ein Kind und dazu außerstande war oder als ich definitiv schon erwachsen war und mir das keiner mehr sagen musste.

    Denn ich und Du – sind ja einfach nur Ich und Du.

    Und vielleicht können wir genau das wieder ein bisschen von Kindern lernen.

    Ein Kind kann minutenlang einen Käfer beobachten, durch Gras streichen oder einfach irgendwo liegen – und braucht dafür keinen Grund. Es muss anschließend nicht erklären, was ihm diese Zeit gebracht hat.

    Es ist nicht faul und es „verschwendet“ keine Zeit.

    Es ist einfach da.

    Einer meiner Lieblingsmenschen sagte vor ein paar Wochen zu mir:

    „Faul sein. Das gibt es gar nicht. Das haben sich nur andere ausgedacht, um einem ein schlechtes Gefühl zu geben.“

    Ich musste darüber nachdenken.

    Denn wie oft bewerten wir einen Moment danach, was wir darin geschafft haben? Wie sinnvoll wir ihn genutzt haben? Ob wir produktiv waren?

    Dabei gibt es Momente, in denen es nichts zu erreichen gibt.

    Man darf einen Käfer einfach anschauen.
    Man darf im Gras liegen.
    Man darf die Sonne spüren.
    Man darf nichts vorhaben.

    Vielleicht ist das gar kein Nichtstun.

    Vielleicht ist das einfach Sein.

  • Putztag

    Putztag

    Einmal in der Woche ist Großputz angesagt.

    Dann ist es Zeit für Böden wischen, Teppiche ausklopfen und Staubwischen.

    Spätestens, wenn mich zum dritten Mal auf meinem Parkett ein Wollhaarknäuel der Katzen beim Laufen überholt, wird es Zeit für den Großputz.

    Über drei Etagen, über 100 Quadratmeter, durch sieben Zimmer und drei Badezimmer. Reichlich Platz für Staub, der sich bei uns ablagern möchte.

    Bei mir muss nicht alles so ordentlich sein, dass man immer alles direkt wegräumen muss. Die kreativen Flächen – Sofa, Schreibtisch, Basteltisch, Nähzimmer – dürfen auch zeigen, dass sie aktuell ein Projekt beherbergen.

    Aber klinisch rein mögen wir es schon.

    Also wird viel Wasser benutzt und sinnvoll von oben nach unten gearbeitet. Fenster und Türen werden weit geöffnet, um dem Staub den Weg nach draußen zu zeigen. Kissen und Decken werden entweder gewaschen oder draußen ausgeklopft.

    Alle Oberflächen werden gewischt: Türrahmen, Bilderrahmen, Regale, Lampen.

    Die Ecken der Treppen werden ausgewischt. Ich klettere auf Stühle, um auf den Schränken zu wischen.

    Putze ich alleine, läuft schöne Musik dabei. Und putzen wir gemeinsam, dann sind wir wie ein kleiner blitzblanker Tornado im Haus.

    Nach spätestens drei Stunden glänzt das Haus – und wir müssen duschen.

    Es gibt kaum ein entspannteres Gefühl, das man sich so bequem jede Woche selbst geben kann: frisch geduscht in einer sauberen Umgebung auf dem Sofa liegen.

  • Tautreten – meine kleine Kneipp-Tour am Morgen

    Tautreten – meine kleine Kneipp-Tour am Morgen

    Im Urlaub und zu Hause.

    Ich höre noch meine Mutter fröhlich rufen:
    „Jaha, die gute Kneipp-Tour. Jetzt machen wir Tautreten.“

    Direkt nach dem Aufstehen, mit noch warmen Füßen auf die feuchte, kühle Wiese hinaustreten.

    Als Kind war das eine kleine Mutprobe. Es war ein wenig wild, ein bisschen anders, irgendwie alternativ. Die Kälte ließ mich aufhüpfen und möglichst schnell durch das nasse Gras laufen.

    „Dann hat man den ganzen Tag warme Füße“, schwärmte meine Mutter und reichte mir anschließend warme Socken.

    Heute verstehe ich viel mehr von dem, was ich damals noch nicht begriff – und auch gar nicht begreifen musste.

    Tautreten gehört zu den traditionellen Kneipp-Anwendungen. Der kurze Kältereiz an den warmen Füßen regt die Durchblutung an und setzt einen Reiz für den Kreislauf und das vegetative Nervensystem. Auf den kurzen Kältereiz folgt die Wiedererwärmung – auf Anspannung wieder Entspannung.

    Wenn ich heute auf meiner Wiese Tautrete, dann weniger ausgelassen als damals als Kind.

    Bedachte, langsame Schritte wähle ich. Die Kühle lässt mich nicht mehr so aufhüpfen wie damals.

    Der Himmel ist noch etwas verwaschen von der Nacht, die Sonne hinter den Häusern noch nicht zu sehen. Unsere Amsel hüpft schon emsig über die Wiese und lässt sich von mir nicht stören.

    Die macht jeden Tag ihr Tautreten.

    Ich drehe ein paar Runden im Garten, schaue mir ungezwungen und unaufgeregt dies und jenes an. Das Gras kitzelt ganz sanft meine Füße und kühlt sie.

    An der Terrassentür sammle ich die Grashalme zwischen den Zehen und gehe wieder ins Haus.

    Warme Socken sind für mich im Sommer anschließend kein Muss.

    So darf der Tag beginnen. Geerdet, geklärt – und mit warmen Füßen.

  • Resümee

    Resümee

    Ganz spontan kam mir der Gedanke nicht.

    Er war seit Jahren immer mal wieder da. Etwas wehmütig, etwas fragend, wieso – aber nicht vorwurfsvoll in irgendeine Richtung.

    Man hat regelmäßig mit einem lieben Menschen Kontakt. Trifft sich, schreibt Nachrichten hin und her und ist eben einfach im Kontakt.

    Keiner kann es nachher so richtig rekonstruieren, aber irgendwann fällt einem auf: Wo ist eigentlich mein Freund, mein Kumpel, die Person, mit der ich so viele gute Gespräche hatte? Mit der es so gut tat, sich zu treffen?

    Ich denke all die Jahre immer mal wieder an diese Person. An das, was ich noch weiß. Wo sie damals stand. Und stelle mir vor, wie wunderbar ihr Leben wahrscheinlich laufen wird.

    „Hey. Ich hier. Würde mich freuen, wenn Du Dich mal meldest. Hier meine Nummer.“

    Schreibe ich spontan auf einem Parkplatz irgendwo auf einen Zettel, falte ihn einmal in der Mitte und werfe ihn in den Briefkasten, von dem ich weiß: Der gehörte vor Jahren noch diesem Menschen. Der Name steht auch noch an der Tür.

    Ein kleines Kribbeln läuft mir durch den Bauch.

    Das könnte gut werden, denke ich mir und setze meinen Weg fort.

    Ein paar Tage später erscheint auf meinem Handy eine Nachricht.

    „Hey. Ich hier. Habe Deine Nachricht erhalten. Wohne dort nicht mehr. Wir könnten einen Kaffee trinken.“

    Yeay. Freude.

    Wir treffen uns nachmittags zum Kaffee. Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen? Wie kam es überhaupt dazu, dass der Kontakt einschlief?

    Ungeklärte Fragen. Eine genaue Rekonstruktion schaffen wir nicht. Ist aber auch gar nicht von Bedeutung.

    Wow, was alles passiert ist in dieser Zeit.

    Ich führe aus, der Freund führt aus. Wir sind auf dem neuesten Stand. Auf und Abs in den letzten Jahren. Wir ziehen ein Resümee, befinden vieles für besser, einiges für schlechter.

    Aber die Werte stimmen immer noch: Zuversicht, Gesundheit, Karriere, innere Balance, stabilisiert durch Selbstliebe.

    Und immer wieder reflektieren wir. Wie einfach es hier ist, mal von sich wegzutreten. Die letzten Jahre etwas anders zu sehen, gemeinsam mal einzuordnen.

    Wir haben uns sofort, in den ersten paar Sekunden, wiedergefunden.

    Unangestrengt und sicher. Der andere versteht uns. Und wenn nicht, dann fragen wir eben nochmal nach.

    Einfach, ungezwungen, ein wenig wissend und immer neugierig.

    Vielleicht ist es ein bisschen wie mit einer Blüte, die jedes Jahr neu erscheint. Eine Zeit lang ist sie ganz verschwunden. Nicht vergessen – nur nicht da. Und wenn sie wiederkommt, kennt man sie sofort. Vertraut. Gleich und doch ein wenig anders.

    Ob wir uns wieder aus den Augen verlieren?

    Kann schon sein.

    Aus dem Herzen jedenfalls nicht.

    16 Jahre – auch wenn die Phasen mal länger sind, in denen man sich nicht sieht.

    Es tut gut, zu wissen, dass etwas bleibt.

  • Balance der Woche #003 – Sonnenlicht fühlen

    Balance der Woche #003 – Sonnenlicht fühlen

    Manchmal genügt ein Schritt nach draußen, um den eigenen Tag für einen Moment anders wahrzunehmen.

    Licht begleitet uns ganz selbstverständlich durch unseren Alltag. Morgens wird es heller, im Laufe des Tages verändert es sich und am Abend verschwindet es langsam wieder. Meist geschieht all das, ohne dass wir ihm besondere Aufmerksamkeit schenken.

    Dabei können wir Licht nicht nur sehen. Wir können es auch spüren.

    Die Wärme auf der Haut. Die Helligkeit um uns herum. Den Unterschied zwischen Licht und Schatten. Vielleicht auch die Veränderung, die wir in uns selbst bemerken, wenn wir für einige Minuten nach draußen gehen.

    Für diesen Wellenimpuls brauchst Du deshalb nichts weiter zu tun, als Dir ein wenig Zeit zu schenken.

    Nicht, um möglichst viel Sonne zu bekommen.
    Nicht, um Dich anschließend anders fühlen zu müssen.

    Sondern um wahrzunehmen:

    Wie fühlt sich Tageslicht für mich heute an?

    Vielleicht entdeckst Du dabei etwas, das jeden Tag da ist – und dem Du bisher nur selten bewusst begegnet bist.

    Bis nächste Woche.

  • Lebensfreude zwischen den Stufen

    Lebensfreude zwischen den Stufen

    In meinem Elternhaus hatten wir viele Treppen mit vielen Stufen.

    Und da ich ein aktives Kind war, das sich gerne selbst durch Rennen beschleunigte, waren Treppen jeder Art für mich das reinste Spieleparadies.

    Hochrennen. Eine oder zwei Stufen überspringen. Noch mehr, wenn man sich dabei am Geländer schwungvoll nach oben zog. Auf allen Vieren – rasend schnell.

    Abwärts auf dem Treppengeländer rutschen, trippeln, mit beiden Beinen hüpfen oder tanzend im 1-2er-Rhythmus die Stufen hinunterhopsen.

    Ein Riesenspaß für mich als Kind.

    Wer weiß – vielleicht habe ich daher heute meine kraftvollen Sprunggelenke. 🙂

    Ich gehe noch immer gerne Treppen.

    Prachtvolle Aufgänge in Parks und Innenstädten genauso wie die Treppen im Parkhaus.

    Auch in meinem jetzigen Zuhause habe ich einige davon und benutze sie gerne ganz bewusst. Mit Wäschekörben, Einkaufstaschen oder Schwimmtaschen. Schwungvoll, kraftvoll und meistens fröhlich.

    Und manchmal auch ganz ohne etwas in den Händen.

    Dann sind da wieder diese kleinen Tanzeinlagen auf meinen Treppen.

    Bewegung muss für mich nicht immer erst beginnen, wenn ich Sportkleidung anziehe.

    Manchmal liegt sie einfach zwischen zwei Etagen.

  • Liebe lässt frei

    Liebe lässt frei

    Im Winter 2022 stolperte ich über einen Spruch:

    „Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer.“

    Wenn ich mir meine Katzen anschaue, denke ich: Ja, irgendwie stimmt das.

    Ich bin gut und lieb zu ihnen, kraule sie und finde, ich verehre sie durchaus adäquat. Katzenklo, Kratzbäume, feines Essen und frisches Trinken. Sie haben alles, was so eine Katze benötigt.

    Obwohl meine zwei Damen drei Jahre beim Vorbesitzer richtige Indoor-Katzen waren, kann ich sie heute in den Garten lassen. Sie könnten gehen. Tun sie aber nicht.

    Natürlich stehen sie auch in einer gewissen Abhängigkeit zu uns. Sie werden von uns versorgt. Aber da ist noch etwas anderes: Pflege, Hege und die grenzenlose Zuneigung, die wir drei Menschen diesen lieben Katzen entgegenbringen.

    Bei einer Liebesbeziehung ist es anders. Unsere Katzen suchen wir uns meistens aus – zwei Menschen entscheiden sich gegenseitig füreinander.

    Und vielleicht beginnt genau da etwas, worüber ich bei diesem Spruch immer wieder nachdenken muss.

    Was bedeutet es eigentlich, einen Menschen zu lieben?

    Wenn ich an meinen Liebes-Menschen denke, kommen mir sofort positive Beschreibungen über ihn in den Sinn. Über sein Aussehen, sein Verhalten mir gegenüber, seine Art und Weise, Dinge anzugehen, seinen Respekt vor mir.

    Und darüber, wie ich mich bei ihm fühle.

    Sicher und geborgen.

    Ich freue mich auf diesen Menschen. Und ich weiß: Egal, wie es mir geht, ich muss mich nicht verbiegen. Ich könnte es versuchen – aber wahrscheinlich würde er es ohnehin merken und mir wieder Halt geben. Bewusst oder unbewusst.

    Eine freiwillige Abhängigkeit?

    Nein. Vielleicht möchte ich Abhängigkeit lieber wieder durch Pflege und Hege ersetzen.

    Denn genau da liegt für mich die wichtige Botschaft dieses Spruchs.

    Wenn ich einen anderen Menschen von mir abhängig mache, mich selbst abhängig mache, Forderungen an meine Liebe knüpfe oder ständig Liebe einfordere, ohne auf die Bedürfnisse des anderen zu schauen, entsteht Druck.

    Und Druck fühlt sich nicht nach Freiheit an.

    Wo dagegen Vertrauen ist, darf sich jeder entwickeln. Jeder darf auch für sich selbst ein ganzer Mensch bleiben.

    Ich vertraue meinem Liebes-Menschen und lasse ihm seine Freiheiten, seine Hobbys und seine Eigenheiten. Er darf Dinge erleben, die nichts mit mir zu tun haben. Eigene Gedanken haben. Eigene Interessen. Eigene Zeit.

    Und dann kommt er wieder.

    Nicht, weil er muss.

    Sondern weil zwischen uns etwas entstanden ist, zu dem er zurückkehren möchte.

    Vielleicht bedeutet „freilassen“ deshalb gar nicht, jemanden gehen zu lassen.

    Vielleicht bedeutet es, einen Menschen nicht festhalten zu müssen.

    Vertrauen und Liebe – ich lasse frei.

  • Der Duft meiner Kindheit

    Der Duft meiner Kindheit

    Als Kind schlenderte ich mit meinen Eltern oft durch den Park von Schloss Sanssouci in Potsdam.

    Friedrich der Große liebte die französische Kultur, und bis heute trägt Sanssouci viele Spuren dieser Zeit. Für mich als Kind war das natürlich nebensächlich. Für mich waren da vor allem der große Park, die Wege – und der Lavendel.

    Immer wieder gingen wir an üppigen Lavendelsträuchern entlang. Meine Mutter erzählt von einer verwandten Tante, die um die Jahrhundertwende 1800 einst Gärtnerin in diesem wunderbaren Park gewesen sein soll.

    Wenn man ganz nah an den Lavendelsträuchern vorbeiging, blieb der Duft an der Kleidung hängen. Anschließend roch man wunderbar nach Lavendel.

    Mich beruhigt dieser Duft bis heute.

    Mein Nervensystem fährt herunter und ich entspanne mich. Mich zieht es richtig zu diesem Duft hin. Sehe ich irgendwo Lavendel blühen oder im Winter trocken stehen, reibe ich an den Blättern oder streife ganz nah an den Büschen vorbei.

    Auch heute noch.

    Als Kind hätte ich mich hineinlegen können.

    Meine Mutter hat mir diese Liebe wohl vererbt.

    Sie backte Lavendelplätzchen und flocht Lavendelkolben.

    Heute habe auch ich Lavendel in meinem Garten. Erst seit einem Jahr. Dieses Jahr konnte ich zum ersten Mal ernten – und meinen ersten eigenen Lavendelkolben flechten.

    Geerntet habe ich an einem trockenen Morgen. Die Blüten waren bereits leicht geöffnet und verströmten diesen wunderbaren Duft.

    Dann saß ich da mit den langen Stielen vor mir und begann, meinen ersten Lavendelkolben zu flechten.

    Blüte für Blüte verschwand unter dem karierten Band.

    Und plötzlich war da etwas, das viel weiter zurückreichte als bis zu meinem eigenen Garten.

    Der Park.
    Meine Kindheit.
    Meine Mutter.
    Dieser Duft.

    Manche Dinge begleiten uns durchs ganze Leben.

  • Unser kleines Trainingsritual

    Ich mache schon mein ganzes Leben lang Sport.

    Er gehört für mich zum Leben dazu. Und ich denke, gerade auch zu einem gesunden Leben.

    Viele Übungen machen mir richtig Spaß.

    Beinahe jeden Abend gehen wir es an.

    Einer von uns fährt den Rechner hoch, der andere holt die Trainingsmatten. Wir stellen frisches Wasser bereit und ziehen unsere bequeme Sportkleidung an.

    Ein richtiges Miniritual, das uns auf das Training einstimmt.

    Wir lächeln uns an – mal mehr, mal weniger müde, aber mit wachsender Begeisterung.

    Viele Übungen und ihre Ausführungen sind uns mittlerweile geläufig. Wir haben definitiv unsere Lieblingsübungen und seufzen lächelnd auf, wenn herausfordernde Übungen auf uns zukommen.

    Dennoch genießen wir es, wenn uns auf dem Bildschirm ein freundlicher Mensch noch einmal alles genau erklärt, uns während der Übungen an die Atmung oder die korrekte Ausführung erinnert, uns mit einem „Durchhalten!“ motiviert und mit einem „Noch einmal alles anspannen!“ die letzten Reserven anzapfen lässt.

    Manchmal nur 10 Minuten, ab und an 20 Minuten, seltener 30 Minuten.

    Wir mögen ganzheitliche Übungen und große Bewegungen und gehen im Laufe einer Woche alle Muskelgruppen durch.

    Nach dem Training loben wir uns gegenseitig. Wir besprechen die ein oder andere Übung noch einmal und klopfen uns selbst auf die Schulter.

    Das Gehirn lernt: Das war eine gute Sache. Das möchten wir bald wieder machen.

    Wir sind fit im Alltag. Achten auf unsere Gelenke. Erzwingen nichts.

    Ein richtig gutes Gefühl.