Im Winter 2022 stolperte ich über einen Spruch:
„Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer.“
Wenn ich mir meine Katzen anschaue, denke ich: Ja, irgendwie stimmt das.
Ich bin gut und lieb zu ihnen, kraule sie und finde, ich verehre sie durchaus adäquat. Katzenklo, Kratzbäume, feines Essen und frisches Trinken. Sie haben alles, was so eine Katze benötigt.
Obwohl meine zwei Damen drei Jahre beim Vorbesitzer richtige Indoor-Katzen waren, kann ich sie heute in den Garten lassen. Sie könnten gehen. Tun sie aber nicht.
Natürlich stehen sie auch in einer gewissen Abhängigkeit zu uns. Sie werden von uns versorgt. Aber da ist noch etwas anderes: Pflege, Hege und die grenzenlose Zuneigung, die wir drei Menschen diesen lieben Katzen entgegenbringen.
Bei einer Liebesbeziehung ist es anders. Unsere Katzen suchen wir uns meistens aus – zwei Menschen entscheiden sich gegenseitig füreinander.
Und vielleicht beginnt genau da etwas, worüber ich bei diesem Spruch immer wieder nachdenken muss.
Was bedeutet es eigentlich, einen Menschen zu lieben?
Wenn ich an meinen Liebes-Menschen denke, kommen mir sofort positive Beschreibungen über ihn in den Sinn. Über sein Aussehen, sein Verhalten mir gegenüber, seine Art und Weise, Dinge anzugehen, seinen Respekt vor mir.
Und darüber, wie ich mich bei ihm fühle.
Sicher und geborgen.
Ich freue mich auf diesen Menschen. Und ich weiß: Egal, wie es mir geht, ich muss mich nicht verbiegen. Ich könnte es versuchen – aber wahrscheinlich würde er es ohnehin merken und mir wieder Halt geben. Bewusst oder unbewusst.
Eine freiwillige Abhängigkeit?
Nein. Vielleicht möchte ich Abhängigkeit lieber wieder durch Pflege und Hege ersetzen.
Denn genau da liegt für mich die wichtige Botschaft dieses Spruchs.
Wenn ich einen anderen Menschen von mir abhängig mache, mich selbst abhängig mache, Forderungen an meine Liebe knüpfe oder ständig Liebe einfordere, ohne auf die Bedürfnisse des anderen zu schauen, entsteht Druck.
Und Druck fühlt sich nicht nach Freiheit an.
Wo dagegen Vertrauen ist, darf sich jeder entwickeln. Jeder darf auch für sich selbst ein ganzer Mensch bleiben.
Ich vertraue meinem Liebes-Menschen und lasse ihm seine Freiheiten, seine Hobbys und seine Eigenheiten. Er darf Dinge erleben, die nichts mit mir zu tun haben. Eigene Gedanken haben. Eigene Interessen. Eigene Zeit.
Und dann kommt er wieder.
Nicht, weil er muss.
Sondern weil zwischen uns etwas entstanden ist, zu dem er zurückkehren möchte.
Vielleicht bedeutet „freilassen“ deshalb gar nicht, jemanden gehen zu lassen.
Vielleicht bedeutet es, einen Menschen nicht festhalten zu müssen.
Vertrauen und Liebe – ich lasse frei.


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