Kategorie: Herz & Verbindung (Selbst & Andere)

Pflege die Beziehung zu Dir selbst und zu den Menschen, die Dir wichtig sind – mit Achtsamkeit, Wertschätzung und kleinen Momenten der Verbundenheit.

  • Der sichere Hafen

    Der sichere Hafen

    „Hier wird immer Dein Zuhause sein.“

    Was für ein gutes, beruhigendes Gefühl.

    Meine Eltern sind großartig. Sie haben alles, was Eltern haben müssen.

    Sie strahlen Ruhe und Zuversicht aus. Sie sind immer für mich zu erreichen. Sie haben zu all meinen Themen eine Meinung und stehen immer zu und hinter mir.

    Ich kann mit ihnen über erfreuliche, schwere und komplizierte Themen sprechen.

    Das Grundgefühl ist: „Wir stehen immer zusammen.“

    Bei meinen Eltern sind das nicht bloß Floskeln. Sie meinen es so, wie sie es sagen, und leben auch danach.

    Sie nehmen trotz ihrer Gutmütigkeit und Großherzigkeit nicht alles so hin, wie man es ihnen gibt. Sie haben Lösungen für meine Probleme. Sie können aber auch einfach nur zuhören und mit mir emotional und gedanklich mitgehen. Sie haben Anregungen und Ideen, wie etwas laufen könnte, ohne mit mir darin übereinstimmen zu müssen. Sie zeigen alternative Wege auf, ohne Druck.

    Meine Eltern haben ihre eigenen Leben. Sie haben vielfältige Interessen, denen sie nachgehen. Sie fangen immer wieder Projekte an, an denen sie arbeiten. Sie haben ein breites Wissen, das sie auch immer gerne teilen.

    Meine Eltern können sehr motivierend für mich sein. Sie bauen mich auf und glauben immer an mich. Sie wissen nicht alles über mich und ich nicht alles über sie. Aber sie kennen mein Innerstes. Meine Art. Meine Werte.

    Meine Eltern sind nicht perfekt. Bei weitem nicht. Wären sie das, so hätte ich nicht so viel bei ihnen gelernt. Was sie auf jeden Fall sind:

    Sie sind bedingungslos liebend.

    Und dafür könnte ich dankbarer nicht sein.

  • Resümee

    Resümee

    Ganz spontan kam mir der Gedanke nicht.

    Er war seit Jahren immer mal wieder da. Etwas wehmütig, etwas fragend, wieso – aber nicht vorwurfsvoll in irgendeine Richtung.

    Man hat regelmäßig mit einem lieben Menschen Kontakt. Trifft sich, schreibt Nachrichten hin und her und ist eben einfach im Kontakt.

    Keiner kann es nachher so richtig rekonstruieren, aber irgendwann fällt einem auf: Wo ist eigentlich mein Freund, mein Kumpel, die Person, mit der ich so viele gute Gespräche hatte? Mit der es so gut tat, sich zu treffen?

    Ich denke all die Jahre immer mal wieder an diese Person. An das, was ich noch weiß. Wo sie damals stand. Und stelle mir vor, wie wunderbar ihr Leben wahrscheinlich laufen wird.

    „Hey. Ich hier. Würde mich freuen, wenn Du Dich mal meldest. Hier meine Nummer.“

    Schreibe ich spontan auf einem Parkplatz irgendwo auf einen Zettel, falte ihn einmal in der Mitte und werfe ihn in den Briefkasten, von dem ich weiß: Der gehörte vor Jahren noch diesem Menschen. Der Name steht auch noch an der Tür.

    Ein kleines Kribbeln läuft mir durch den Bauch.

    Das könnte gut werden, denke ich mir und setze meinen Weg fort.

    Ein paar Tage später erscheint auf meinem Handy eine Nachricht.

    „Hey. Ich hier. Habe Deine Nachricht erhalten. Wohne dort nicht mehr. Wir könnten einen Kaffee trinken.“

    Yeay. Freude.

    Wir treffen uns nachmittags zum Kaffee. Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen? Wie kam es überhaupt dazu, dass der Kontakt einschlief?

    Ungeklärte Fragen. Eine genaue Rekonstruktion schaffen wir nicht. Ist aber auch gar nicht von Bedeutung.

    Wow, was alles passiert ist in dieser Zeit.

    Ich führe aus, der Freund führt aus. Wir sind auf dem neuesten Stand. Auf und Abs in den letzten Jahren. Wir ziehen ein Resümee, befinden vieles für besser, einiges für schlechter.

    Aber die Werte stimmen immer noch: Zuversicht, Gesundheit, Karriere, innere Balance, stabilisiert durch Selbstliebe.

    Und immer wieder reflektieren wir. Wie einfach es hier ist, mal von sich wegzutreten. Die letzten Jahre etwas anders zu sehen, gemeinsam mal einzuordnen.

    Wir haben uns sofort, in den ersten paar Sekunden, wiedergefunden.

    Unangestrengt und sicher. Der andere versteht uns. Und wenn nicht, dann fragen wir eben nochmal nach.

    Einfach, ungezwungen, ein wenig wissend und immer neugierig.

    Vielleicht ist es ein bisschen wie mit einer Blüte, die jedes Jahr neu erscheint. Eine Zeit lang ist sie ganz verschwunden. Nicht vergessen – nur nicht da. Und wenn sie wiederkommt, kennt man sie sofort. Vertraut. Gleich und doch ein wenig anders.

    Ob wir uns wieder aus den Augen verlieren?

    Kann schon sein.

    Aus dem Herzen jedenfalls nicht.

    16 Jahre – auch wenn die Phasen mal länger sind, in denen man sich nicht sieht.

    Es tut gut, zu wissen, dass etwas bleibt.

  • Liebe lässt frei

    Liebe lässt frei

    Im Winter 2022 stolperte ich über einen Spruch:

    „Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer.“

    Wenn ich mir meine Katzen anschaue, denke ich: Ja, irgendwie stimmt das.

    Ich bin gut und lieb zu ihnen, kraule sie und finde, ich verehre sie durchaus adäquat. Katzenklo, Kratzbäume, feines Essen und frisches Trinken. Sie haben alles, was so eine Katze benötigt.

    Obwohl meine zwei Damen drei Jahre beim Vorbesitzer richtige Indoor-Katzen waren, kann ich sie heute in den Garten lassen. Sie könnten gehen. Tun sie aber nicht.

    Natürlich stehen sie auch in einer gewissen Abhängigkeit zu uns. Sie werden von uns versorgt. Aber da ist noch etwas anderes: Pflege, Hege und die grenzenlose Zuneigung, die wir drei Menschen diesen lieben Katzen entgegenbringen.

    Bei einer Liebesbeziehung ist es anders. Unsere Katzen suchen wir uns meistens aus – zwei Menschen entscheiden sich gegenseitig füreinander.

    Und vielleicht beginnt genau da etwas, worüber ich bei diesem Spruch immer wieder nachdenken muss.

    Was bedeutet es eigentlich, einen Menschen zu lieben?

    Wenn ich an meinen Liebes-Menschen denke, kommen mir sofort positive Beschreibungen über ihn in den Sinn. Über sein Aussehen, sein Verhalten mir gegenüber, seine Art und Weise, Dinge anzugehen, seinen Respekt vor mir.

    Und darüber, wie ich mich bei ihm fühle.

    Sicher und geborgen.

    Ich freue mich auf diesen Menschen. Und ich weiß: Egal, wie es mir geht, ich muss mich nicht verbiegen. Ich könnte es versuchen – aber wahrscheinlich würde er es ohnehin merken und mir wieder Halt geben. Bewusst oder unbewusst.

    Eine freiwillige Abhängigkeit?

    Nein. Vielleicht möchte ich Abhängigkeit lieber wieder durch Pflege und Hege ersetzen.

    Denn genau da liegt für mich die wichtige Botschaft dieses Spruchs.

    Wenn ich einen anderen Menschen von mir abhängig mache, mich selbst abhängig mache, Forderungen an meine Liebe knüpfe oder ständig Liebe einfordere, ohne auf die Bedürfnisse des anderen zu schauen, entsteht Druck.

    Und Druck fühlt sich nicht nach Freiheit an.

    Wo dagegen Vertrauen ist, darf sich jeder entwickeln. Jeder darf auch für sich selbst ein ganzer Mensch bleiben.

    Ich vertraue meinem Liebes-Menschen und lasse ihm seine Freiheiten, seine Hobbys und seine Eigenheiten. Er darf Dinge erleben, die nichts mit mir zu tun haben. Eigene Gedanken haben. Eigene Interessen. Eigene Zeit.

    Und dann kommt er wieder.

    Nicht, weil er muss.

    Sondern weil zwischen uns etwas entstanden ist, zu dem er zurückkehren möchte.

    Vielleicht bedeutet „freilassen“ deshalb gar nicht, jemanden gehen zu lassen.

    Vielleicht bedeutet es, einen Menschen nicht festhalten zu müssen.

    Vertrauen und Liebe – ich lasse frei.

  • Fundstücke

    Fundstücke

    Sommer.

    Der Rhein hat seinen historischen Tiefstand erreicht.

    Es zieht uns nach draußen. Mit dreien meiner Lieblingsmenschen schlendere ich durch die Natur – mehr fokussiert als zielorientiert.

    Im Gepäck befinden sich frische, kühle Weintrauben, zarte Butterkekse, lockeres Sauerteigbrot und reichlich prickelndes Wasser.

    Wir pflücken reife, überreife und auch noch unreife Brombeeren. Wir empfinden die trockengelegten Algen als bizarr. Lassen uns gerne vom starken Wind erfassen und uns die Haare durcheinanderwirbeln.

    Wir lachen, staunen und genießen.

    Wir suchen, entdecken und kreieren.

    Ein langer Tag, der viel zu schnell zu Ende ging.

    Erfüllt und taub vor Glück lehnen wir uns am Abend zurück und verschwenden unsere Zeit mit den allerschönsten Momenten des Tages. Wir lassen sie nachklingen, denn es gibt nichts anderes zu tun.

    Ein paar Momente später erfasst uns dieses Glück erneut, als wir den Rucksack leeren und Muscheln, Steine, Federn und jede Menge Sand in unseren Händen halten.

    Das war ein bleibender Moment.

  • Ich denke an Dich

    Ich denke an Dich

    Ich habe das große Glück, mit einigen meiner Lieblingsmenschen zusammenzuleben.

    Wir begegnen uns im Alltag, leben nebeneinander her und gehen unseren eigenen oder gemeinsamen Aktivitäten nach. Auch wenn einer meiner Lieblingsmenschen gerade unterwegs ist, wissen wir mit Sicherheit, dass dieser Mensch wiederkommen wird. Darüber hinaus ist grundlegendes Vertrauen eine Gewissheit, die wir nicht ständig prüfen müssen und die uns innere Ruhe schenken kann.

    So sehr ich auch dafür bin, dass jeder Mensch für sich selbst stehen und eine eigenständige Persönlichkeit sein darf, so glaube ich doch, dass wir alle das Bedürfnis haben, Verbindung zu anderen Menschen aufzubauen und zu pflegen. Zumindest kenne ich das Gefühl des Alleinseins, das – wenn man sich lange damit beschäftigt – leicht in Einsamkeit übergehen kann.

    Wie schön, erfüllend und bestätigend ist da ein kleiner Impuls unserer Lieblingsmenschen, der uns zeigt, dass wir ihnen wichtig sind.

    Einer meiner Lieblingsmenschen ist ein Meister darin, Nähe und Verbindung entstehen zu lassen.

    Kleine Nachrichten, die auf dem Küchentisch oder an meiner Kinderzimmertür hingen, waren schon in meinem Elternhaus Gang und Gäbe.

    „Viel Erfolg bei der Mathearbeit.“
    „Im Kühlschrank ist noch Joghurt.“
    „Bin im Museumsgarten. Gegen 13 Uhr zurück.“

    So und viele weitere.

    Nicht bloß informativ – auch herzlich.

    Er hat an mich gedacht, obwohl ich gar nicht da war. Er hat für mich mitgedacht. In diesem Moment spüre ich: Ich bin ihm wichtig.

    Meist stehe ich später auf als mein Lieblingsmensch. Im Bett tappt meine Hand ins Leere. Ich gehe meiner Morgenroutine nach.

    Dann entdecke ich in der Küche – auf dem Schrank, dem Esstisch oder der Küchenzeile – einen kleinen, manchmal auch größeren Zettel.

    Kleine Zeichnungen: eine Sonne, ein zwinkernder Smiley, ein Herz.

    Symbole.

    Und Symbole tragen Bedeutung in sich. Sie stehen für Gedanken, Erinnerungen oder Gefühle.

    Dieses Gefühl spüre ich sofort.

    Meine Augen gehen der Schrift nach. Ein Lächeln legt sich auf meine Lippen. Ich lese die Nachricht noch einmal. Und noch einmal.

    Ich bin glücklich.

    Ich nehme mir einen Stift und schreibe zurück. Aus einer kleinen Nachricht entsteht eine Unterhaltung.

    Sinngemäß:

    „Ich denke an Dich.“

    „Du bist mir wichtig.“

    Danke, dass es Dich gibt.