Schlagwort: Balance

  • Mimose

    Mimose

    Es gibt Tage, an denen wacht man morgens auf und fühlt sich klein und schwach.

    Man schaut sachte aus seinem Bettenberg in den Raum und möchte sich am liebsten gleich wieder darin eingraben und dort bleiben.

    Unter der Decke ist es warm und unkompliziert.

    Wenn es mir morgens schon so ergeht, dann achte ich an diesem Tag ganz besonders auf mich.

    Ich gehe noch etwas langsamer und mit viel Mitgefühl für mich selbst in den Tag. Ich nehme den Druck heraus, weil ich weiß, dass ich sonst nur schwer durch diesen Tag kommen würde.

    An solchen Tagen nehme ich mir nichts zusätzlich vor – außer dem, was sowieso schon geplant ist.

    Wenn möglich, nehme ich davon sogar noch etwas weg.

    An Schwung und Elan ist nicht zu denken.

    Ich musste erst mit der Zeit lernen, mich an solchen Tagen nicht noch zusätzlich zu überfordern. Nicht gegen mich selbst anzukämpfen, nur weil ich heute weniger Energie habe als gestern.

    Der Kaffee wird langsamer getrunken.

    Vielleicht auch einer mehr.

    Beim Kochen bleibt es bei der einfachen Variante. Im Haushalt bei dem, was wirklich sein muss. Beim Arbeitspensum genauso.

    Man schleppt sich ein wenig durch den Tag und nimmt sich öfter Pausen heraus.

    Bleibt hier und da einfach mal stehen.

    Atmet ein paar bewusste Atemzüge.

    Die Haut fühlt sich dünn und empfindlich an.

    Dabei müssen die Gedanken gar nicht trübe sein.

    Man ist irgendwie neutral. Ausgeglichen. Nicht besonders leicht aus der Ruhe zu bringen.

    Nur empfindlicher.

    Eine Mimose eben.

    Und vielleicht ist das gar nicht schlimm.

    So ein Tag endet bei mir meistens auf dem Sofa. Mit einem Buch, Tee und einem Kreuzworträtsel.

    Ruhig.

    Ohne große Erwartungen.

    Und genauso überraschend, wie wenig Kraft an manchen Tagen schon beim ersten Augenöffnen da ist, ist es an anderen Tagen genau umgekehrt.

    Da ist der Schwung schon da, bevor ich überhaupt richtig wach bin.

    Dann möchte ich aufstehen. Machen. Erleben.

    Beides gehört zu mir.

    Vielleicht muss ich deshalb gar nicht jeden Morgen versuchen, dieselbe Version von mir zu sein.

    Manche Tage dürfen leise sein.

  • Der goldene Käfig

    Der goldene Käfig

    2019 bekam ich starke Migräne. Einfach so.

    Ich hatte das vorher noch nie erlebt, aber natürlich schon viel davon gehört. Von unerbittlichen Schmerzen, vor denen man nicht fliehen kann. Von Menschen, die während einer Attacke kaum noch ein normales Leben führen können.

    Nun wusste ich, wovon sie sprachen.

    Meine Migräneattacken überfielen mich meistens am späten Nachmittag. Dann, wenn mein damaliger Mann nach Hause kommen sollte.

    Mein Neurologe war sehr einfühlsam. Er und seine Familie waren selbst migränegeplagt. Er sagte mir irgendwann, dass er Migräne – trotz ihrer medizinischen Komplexität – auch als mögliche Stresserscheinung erlebe. Nimmt man bei Migränepatienten den Druck heraus, würden die Attacken bei manchen weniger oder seltener.

    Wir probierten verschiedene Medikamente aus. Schlussendlich bekam ich regelmäßig eine Spritze in den Oberschenkel. Die half tatsächlich sehr gut.

    Trotzdem blieb eine Frage hängen:

    Was, wenn mein Neurologe zumindest teilweise recht hatte?

    Was, wenn ich unter Stress litt?

    Und was, wenn die Migräne nur das Symptom war?

    Ich war zu dieser Zeit unruhig und unglücklich und wusste nicht wirklich, warum. Alles fiel mir schwer.

    Dabei war doch eigentlich alles gut.

    Ich studierte in Vollzeit, arbeitete nebenbei als Übungsleiterin, kümmerte mich um einen Haushalt mit etwa 150 Quadratmetern und Garten und natürlich um meine kleinen Lieblingsmenschen, für die ich mich jeden Tag liebevoll aufopferte und die einfach meine Welt waren.

    Ich war doch glücklich.

    Oder?

    Dann lag ich eines Tages wieder mit einer Migräneattacke im dunklen, kühlen Keller. Kühlakkus an den Schläfen. Das Stechen hinter meinem Auge war so stark, dass selbst Dunkelheit und Kälte kaum etwas ausrichten konnten.

    Und plötzlich entstand ein Bild in meinem Kopf.

    Ein goldener Käfig.

    Ich verstand es nicht.

    Golden – ja.

    Aber ein Käfig?

    Wieso sollte ich in einem Käfig sitzen? Ich war doch frei.

    Das Bild blieb.

    Fest in dem Glauben, meine Migräne – oder vielleicht auch meine Niedergeschlagenheit – mit guten Gedanken eindämmen zu können, bestellte ich mir ein Buch von Hans-Peter Hepe: Heilung aus eigener Kraft – Der effektive Weg aus Krankheit, Krise und Konflikt.

    Gleichzeitig begann ich ein Projekt.

    Meine ältesten kleinen Lieblingsmenschen hatten Jahre zuvor Kronkorken am Rhein und in Parks gesammelt. Ich wusch sie und gestaltete sie mit viel Geduld und Feingefühl zu kleinen Kunstwerken.

    Sie bekamen Namen.

    Zusammenhalt. Stärke. Kraft. Zuversicht. Ruhe.

    Sie warten übrigens bis heute darauf, zu einem Mobile zusammengesetzt zu werden.

    Manche Projekte brauchen offenbar etwas länger.

    Ich las, bastelte und reflektierte.

    „Heilung aus eigener Kraft“ – das gefiel mir als Gedanke.

    Meine Mutter hatte schon immer, wenn ich mich verletzt hatte, gesagt:

    „Ist es nicht toll? Man muss gar nichts machen. Der Körper heilt von ganz alleine.“

    Stimmt, dachte ich.

    Das ist eigentlich ziemlich faszinierend.

    Aber konnte der Körper das auch bei Migräne?

    Und überhaupt: Was hatte es mit diesem verdammten goldenen Käfig auf sich?

    Beim Lesen kam mir noch ein anderer Satz meiner Mutter immer wieder in den Sinn:

    „Hilf mir, es selbst zu tun.“

    Hilfe zur Selbsthilfe.

    Mich einfach auf andere zu verlassen, konnte also nicht die Lösung sein.

    Aber das tat ich doch überhaupt nicht.

    Im Gegenteil.

    Ich war für andere da.

    Liebend gerne.

    24/7.

    Harmoniebedürftig. Organisationstalent. Trösterin. Köchin. Haushälterin. Studentin. Sportlerin. Mutter. Ehefrau.

    Gut.

    Und wo blieb ich?

    Ich stellte fest: Ich hatte keine Zeit für mich.

    Keine Zeit zum Nachdenken. Kaum freie Zeit. Mein Alltag war genau vorgegeben und richtete sich fast nie danach, was ich gerade brauchte.

    Das war eine Erkenntnis, mit der ich zunächst erstaunlich wenig anfangen konnte.

    Eigentlich machte sie mich eher ärgerlich.

    Wieso braucht ein Mensch auch so viel Zeit für sich selbst?

    Meine Work-Life-Balance war jedenfalls nicht nur ein bisschen aus dem Takt geraten.

    Positiv denken?

    Ich hatte ja nicht einmal Zeit zum Denken.

    Schon seit Jahren hatte ich das Gefühl, meinem eigenen Leben hinterherzurennen. Ich war überall gerade noch rechtzeitig. Alles geschah auf den letzten Drücker. Meine Kontakte wurden weniger, manches oberflächlicher und mein Alltag zunehmend von außen bestimmt.

    Ich war immer weniger diejenige, die handelte.

    Ich reagierte.

    Und irgendwann reagierte ich nicht einmal mehr besonders gut.

    Auch mein Spiegelbild gefiel mir nicht mehr.

    Meine Lösung dafür war zunächst ausgesprochen pragmatisch:

    Ich beschloss einfach, nicht mehr hineinzuschauen.

    Nun ja.

    So konnte es offensichtlich nicht weitergehen.

    Ich las weiter.

    Selbstvertrauen.

    Daran musste ich arbeiten.

    Das Buch deutete körperliche Beschwerden immer wieder im Zusammenhang mit inneren Konflikten und Gefühlen. Ich begann dadurch, über meine Migräne anders nachzudenken. Leistungsdruck – das erschien mir zumindest nicht völlig abwegig. Mein Neurologe hatte schließlich ebenfalls den Zusammenhang zwischen Stress und meinen Attacken angesprochen.

    Also: Druck herausnehmen.

    Nur wie?

    Ich war doch für alles verantwortlich.

    Zumindest fühlte es sich so an.

    Ohne mich lief nichts – oder zumindest nicht so, wie ich es wollte. Kämpfte und sorgte ich dafür, dass etwas so lief, wie ich es für richtig hielt, musste ich mich durchsetzen. Und genau das fiel mir schwer.

    Harmonie zu erhalten, war mein innerstes Bedürfnis.

    Erst sollte es allen anderen gut gehen.

    Und dann, wenn noch Zeit übrig war, vielleicht mir.

    Damit war ich lange gut gefahren.

    Bis mich die Migräne überrollte und mein Körper offenbar sagte:

    Nein.

    Beim Lesen begegnete mir immer wieder der Gedanke, die Ursachen dafür könnten in der eigenen Vergangenheit oder Kindheit liegen.

    Damit konnte ich wenig anfangen.

    Meine Kindheit?

    Ich hatte sie hunderttausendmal reflektiert. Ich hatte meine Lehren daraus gezogen. Ich war mit meiner Familie im Reinen. Meine Eltern und ich hatten längst eine neue Ebene miteinander gefunden.

    Ich fühlte mich frei, wenn ich an meine Kindheit dachte.

    Und irgendwann dachte ich:

    Stopp. Wer sagt eigentlich, dass ich dort suchen muss?

    Dann entdeckte ich ein Kapitel, bei dem ich besonders aufmerksam wurde.

    Skoliose.

    Eine Skoliose hatte ich bereits im Jugendalter entwickelt. Behandlungsbedürftig war sie damals nicht, schmerzhaft allerdings schon.

    In dem Buch wurde auch sie sinnbildlich gedeutet: Ein Mensch stehe nicht genügend für sich selbst ein. Er wünsche sich Veränderung, könne sich aber nicht durchsetzen. Er bleibe – während die Wirbelsäule gewissermaßen versuche, auszuweichen.

    Ich las das nicht als medizinische Erklärung meiner Skoliose.

    Aber als Bild traf es mich wie ein Blitz.

    Denn plötzlich stimmte etwas an meiner bisherigen Erklärung nicht mehr.

    Meine Skoliose war nach meiner Abnabelung vom Elternhaus stagniert. Meine Eltern und ich hatten eine andere familiäre Ebene erreicht. Ich war längst unabhängig von ihnen und empfand von ihrer Seite keinen entsprechenden Druck mehr.

    Das war zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 15 Jahre her.

    Ich war gut mit meiner Vergangenheit.

    Aber warum nahm meine Skoliose nach dem Stagnieren wieder Fahrt auf?

    Warum gerade jetzt?

    Und wenn ich dieses Bild aus dem Buch einmal weiterspann:

    Wovor wollte ich mich eigentlich wegschieben?

    Ich war doch glücklich.

    In meinem goldenen Käfig.

    Langsam begann ich, etwas zu begreifen.

    Vielleicht musste ich nicht immer weiter in meiner Vergangenheit suchen.

    Vielleicht musste ich mir meine Gegenwart ansehen.

    Ich hatte meinem damaligen Mann schon seit Jahren gesagt, dass ich das Gefühl hatte, ständig hinterherzurennen. Ich brauchte Entlastung und Veränderungen. Doch wenn ich versuchte, Dinge anders zu gestalten oder mich durchzusetzen, wurde das schwierig. Mein Wunsch nach Harmonie führte wiederum dazu, dass ich mich selbst zurücknahm.

    Und damit änderte sich eine entscheidende Frage.

    Nicht mehr nur:

    Was stimmt mit mir nicht?

    Sondern:

    Was stimmt mit den Bedingungen nicht, unter denen ich versuche, zu funktionieren?

    Das war neu.

    Und ziemlich unbequem.

    Denn damit konnte ich nicht mehr jedes Problem mit noch mehr Selbstoptimierung lösen.

    Noch besser organisieren. Noch belastbarer werden. Noch positiver denken. Noch mehr Verständnis haben. Noch ein bisschen mehr schaffen.

    Vielleicht war ich gar nicht ausschließlich diejenige, an der etwas verändert werden musste.

    Vielleicht musste sich auch etwas um mich herum verändern.

    Nach der Lektüre ereignete sich eine große körperliche Veränderung in meinem Leben. Meine Migräne verschwand schließlich vollständig. Sie ist bis heute nicht zurückgekehrt. Danach beendete ich meine Bachelorarbeit, ging ins Masterstudium und hatte letztlich sogar noch mehr Aufgaben als vorher.

    Das fand ich bemerkenswert.

    Denn wenn allein die Menge meiner Aufgaben das Problem gewesen wäre, hätte das eigentlich nicht passieren dürfen.

    Die Migräne ging.

    Die Erkenntnisse blieben.

    Und sie veränderten meine Wahrnehmung.

    Ich wollte nicht mehr Harmonie um jeden Preis.

    Ich wollte gesund bleiben.

    Vielleicht war genau das mein Erwachen.

    Und der Beginn meines Weges, mich mit der Kraft der Gedanken auseinanderzusetzen.

    Nicht, weil Gedanken jede Krankheit heilen könnten.

    Sondern weil die Art, wie wir über uns, unser Leben und unsere Möglichkeiten denken, beeinflusst, welche Fragen wir überhaupt stellen.

    Meine erste neue Frage hatte ich gefunden:

    Was, wenn ich gar nicht nur mich verändern muss?

  • Jetzt kann es losgehen.

    Jetzt kann es losgehen.

    10 Uhr. Wochenende. Ich bin richtig gut ausgeschlafen.

    Katzen, Meerschweinchen und Fische sind gut gelaunt und der Tag steht in den Startlöchern.

    „Es kann losgehen“, lachen die Sonnenstrahlen mich durch die Fenster an.

    Der frisch zubereitete Smoothie kühlt im Kühlschrank runter, meine Lieblingsmenschen sind im Trott.

    „Gleich“, zwinkere ich den Sonnenstrahlen zu.

    Auf dem Weg vom Kompost zurück zum Haus greife ich mir spontan den Liegestuhl. Ich richte ihn zur Sonne hin aus und … aaaahhhh … keiner will was von mir.

    Kippfunktion nach hinten, Füße hoch, Körper und Gewicht an die Unterlage abgeben.

    Durch die geschlossenen Augen leuchtet das Sonnenlicht – samtig orange. Ein leichter Windhauch weht zart über meinen Körper, über die Oberschenkel, den Bauch, lässt die feinen Härchen um mein Gesicht vibrieren und kitzelt mich.

    Ich hebe die Hand vor die Augen und schaue durch schmale Schlitze.

    Die Sonnenstrahlen werden zu schillernden Perlenketten.

    Die bewegten Bäume seufzen und ich höre den Wind fröhlich:

    „Es kann losgehen.“

    Ja, denke ich.

    Jetzt kann es losgehen.

  • Den Kopf frei rätseln

    Den Kopf frei rätseln

    Es gibt für mich eine sehr effektive Möglichkeit, mich von schwierigen Themen abzulenken.

    Vor einem Jahr war ich noch ein richtiger Rätselanfänger. Wörter finden, Sudoku und Schüttelrätsel waren meine Favoriten. Diese Rätsel konnte ich beeindruckend schnell lösen.

    Ein Jahr später traue ich mich auch an Schwedenrätsel. Hier sind Allgemeinwissen und manchmal sehr spezielle Themen gefragt. Mittlerweile weiß ich einiges über die Bibel, Geografie oder Medien – zwangsläufig. Ein halb ausgefülltes Rätsel fühlt sich einfach nicht richtig an. Gut, dass es Lösungen gibt. Und schön, wenn sich Begriffe wiederholen und sich Wissen ganz nebenbei verfestigt.

    Das angeeignete Wissen ist jedoch gar nicht das Wichtigste, wenn ich mein dickes Rätselbuch aufschlage.

    Das gemeinsame Knobeln mit meinem Lieblingsmenschen, die vielen lustigen Momente und das bewusste Ablenken – genau das finde ich zwischen den Rätseln.

    Denn wenn ich über Nebenflüsse, Synonyme oder Hauptstädte nachdenke, ist kein Platz mehr für schwere Gedanken.

  • Balance der Woche #002 – Atem – Lebenshauch

    Balance der Woche #002 – Atem – Lebenshauch

    Dein Atem begleitet Dich jeden Moment – oft, ohne dass Du ihn bewusst wahrnimmst.

    Wir können unseren Atem beeinflussen.

    Und wir können ihm auch einfach vertrauen.

    Diese Woche möchte ich Dich einladen, einen Moment stehen zu bleiben.

    Nicht, um Deinen Atem zu verändern.

    Sondern, um ihm aufmerksam zu begegnen.

    Dein Wellenimpuls

    Diese Woche darfst Du Deinen Atem neu entdecken.

    Nicht kontrollieren.

    Nicht bewerten.

    Einfach wahrnehmen.

    Drucke Dir den Wellenimpuls aus oder speichere ihn auf Deinem Tablet. Suche Dir einen ruhigen Ort und nimm Dir ein paar Minuten Zeit für Dich. Vielleicht überrascht Dich, wie viel Ruhe bereits in Deinem nächsten Atemzug steckt.

    Ich wünsche Dir viele kleine Momente des Innehaltens.

    Vielleicht wird aus einem bewussten Atemzug ein neuer Anker für Deinen Alltag.

    Bis nächste Woche.

  • Der Boden trägt Dich

    Der Boden trägt Dich

    Schwere ist nicht nur Belastung. Schwere gibt Halt. Sie verbindet uns mit dem Boden und macht uns spürbar. Gedanken können unsere Muskelspannung und damit unsere innere Balance beeinflussen. Manchmal beginnt Entspannung genau dort, wo wir lernen, unser Gewicht bewusst loszulassen.

    Wieviel Gewicht ein entspannter Körper tatsächlich hat, wurde mir bewusst, als ich beim Rettungsschwimmerkurs meine Partnerin „bewusstlos“ aus dem Wasser ziehen sollte. Es gibt hierfür bestimmte Griffe, um einen schlaffen Körper aus dem Wasser herausziehen zu können. Wenn keine Gedanken und Erwartungen des Gehobenen den Hebenden unterstützen, wirkt der Körper spürbar schwerer.

    Muskelentspannungsübungen praktiziere ich schon seit über 15 Jahren. Ich war ein sehr aktives, lebendiges Kind. Ständig auf Bäumen und Mauern unterwegs. Rennen gab mir das Gefühl vom Fliegen – und ich war richtig schnell.

    Mein Muskeltonus, so sagte mir einst ein Orthopäde, als ich ihn von Rückenschmerzen geplagt und ratlos aufsuchte, sei sehr hoch. Also eine gesunde Grundspannung? Nein, eher überdurchschnittlich – und damit war meine Balance bereits aus dem Gleichgewicht geraten.

    Das ist inzwischen über zwanzig Jahre her.

    Wärmeflaschen, Kirschkernkissen, Wärmepflaster, Massagen, muskelentspannende Medikamente, Spritzen. Als mein Hausarzt mir mit 24 Jahren Morphium geben wollte, war für mich klar: So geht es nicht weiter. Ich ahnte, dass dieser Weg für mich nicht der richtige sein würde, und lehnte ab.

    Ich kam in ein Reha-Zentrum. Wegen guter Führung durfte ich sogar eine Woche länger bleiben als geplant. Dort lernte ich etwas, das mich bis heute begleitet: das gesunde Maß zwischen Anspannung und Entspannung.

    Ein langer Weg liegt inzwischen hinter mir. Jahr für Jahr wurden die Schmerzen weniger.

    Heute weiß ich, was ich damals noch nicht verstehen konnte.

    Ich habe einen starken Geist und eine lebendige Vorstellungskraft. Mein Körper reagiert zuverlässig auf meine Gedanken. Bin ich im Kopf konzentriert, geht mein Körper automatisch mit. Damit meine Muskeln und mein Skelett auch einmal Pause und Regeneration bekommen, muss ich ganz bewusst in die Schwere gehen. Von allein passiert das – zumindest bei mir – nicht.

    Vor kurzer Zeit durfte ich von einer beeindruckenden Frau eine einfache Übung kennenlernen, die sich wunderbar in den Alltag integrieren lässt. Man muss dafür weder liegen noch sitzen.

    Gewicht an den Boden abgeben.

    Egal, ob ich gerade stehe oder gehe.

    Die Grundspannung in meinen Waden lässt nach. Meine Schultern sinken Richtung Boden. Ich spüre ganz bewusst den Untergrund unter meinen Fußsohlen. Mit jedem Schritt gebe ich ein wenig Gewicht ab. Wie eine Katze, die mit ihren Samtpfoten sanft in warmen Sand einsinkt.

    Der Boden trägt mich.

    Immer.

    Zuverlässig.

    Ich muss mich nicht auf der Erdoberfläche festklammern. Ich darf Gewicht abgeben.

    Ich spüre Vertrauen in die Erde.

    Ich bin geerdet.

    Ein tiefer Atemzug.

    Sorgen ausatmen.

    Ich werde vom Boden getragen.

  • Balance der Woche #001 – Wasser trinken

    Balance der Woche #001 – Wasser trinken

    Ein Glas Wasser kann der Beginn von mehr Achtsamkeit sein.

    Wasser ist selbstverständlich. Und gerade deshalb schenken wir ihm oft kaum Beachtung.

    Diese Woche möchte ich Dich einladen, einen Moment innezuhalten.

    Nicht mehr zu trinken.

    Sondern bewusster zu trinken.

    Dein Wellenimpuls

    Diese Woche darfst Du Dich selbst beobachten.

    Nicht bewerten.

    Einfach wahrnehmen.

    Drucke Dir den Wellenimpuls aus oder speichere ihn auf Deinem Tablet. Nimm Dir einen ruhigen Moment und entdecke, welche kleine Veränderung diese Woche für Dich bereithält.

    Ich wünsche Dir viel Freude mit diesem Wellenimpuls.

    Vielleicht wird aus einem einzigen Glas Wasser eine neue Gewohnheit.

    Bis nächste Woche.