Kategorie: Wohlfühlen

Beiträge rund um Achtsamkeit, Entspannung, Selbstfürsorge und innere Balance.

  • Der sichere Hafen

    Der sichere Hafen

    „Hier wird immer Dein Zuhause sein.“

    Was für ein gutes, beruhigendes Gefühl.

    Meine Eltern sind großartig. Sie haben alles, was Eltern haben müssen.

    Sie strahlen Ruhe und Zuversicht aus. Sie sind immer für mich zu erreichen. Sie haben zu all meinen Themen eine Meinung und stehen immer zu und hinter mir.

    Ich kann mit ihnen über erfreuliche, schwere und komplizierte Themen sprechen.

    Das Grundgefühl ist: „Wir stehen immer zusammen.“

    Bei meinen Eltern sind das nicht bloß Floskeln. Sie meinen es so, wie sie es sagen, und leben auch danach.

    Sie nehmen trotz ihrer Gutmütigkeit und Großherzigkeit nicht alles so hin, wie man es ihnen gibt. Sie haben Lösungen für meine Probleme. Sie können aber auch einfach nur zuhören und mit mir emotional und gedanklich mitgehen. Sie haben Anregungen und Ideen, wie etwas laufen könnte, ohne mit mir darin übereinstimmen zu müssen. Sie zeigen alternative Wege auf, ohne Druck.

    Meine Eltern haben ihre eigenen Leben. Sie haben vielfältige Interessen, denen sie nachgehen. Sie fangen immer wieder Projekte an, an denen sie arbeiten. Sie haben ein breites Wissen, das sie auch immer gerne teilen.

    Meine Eltern können sehr motivierend für mich sein. Sie bauen mich auf und glauben immer an mich. Sie wissen nicht alles über mich und ich nicht alles über sie. Aber sie kennen mein Innerstes. Meine Art. Meine Werte.

    Meine Eltern sind nicht perfekt. Bei weitem nicht. Wären sie das, so hätte ich nicht so viel bei ihnen gelernt. Was sie auf jeden Fall sind:

    Sie sind bedingungslos liebend.

    Und dafür könnte ich dankbarer nicht sein.

  • Artgerechte Haltung

    Artgerechte Haltung

    Vor zwei Jahren bekam ich zum Geburtstag von einer lieben Freundin eine kleine Orchidee geschenkt. Sie blühte mit einigen kleinen, zarten Blüten, hatte drei Blätter und steckte in einem winzigen weißen Blumentopf.

    Für blühende Pflanzen habe ich nicht gerade den „grünen Daumen“, wollte mich aber voll und ganz um diese kleine Pflanze bemühen. Ich hatte in meinem Leben schon häufiger Orchideen geschenkt bekommen. Leider wurden diese bei mir nie besonders alt.

    Bei meiner kleinen aktuellen Orchidee fielen bald die Blüten ab und so stand recht lange ein kahler, vertrockneter Stängel empor. Ich wollte die Pflanze nicht verletzen, also ließ ich sie so, wie sie war. Irgendwann knickte der Stängel von alleine ab.

    Ein Jahr später blühte meine kleine Orchidee erneut. Diesmal wuchs der Stängel seitlich von den Blättern weg. Das sah etwas seltsam aus und lange blieben auch diese Blüten leider nicht. Nun stand wieder ein kahler Stiel lange Zeit seitlich von der Pflanze ab.

    Ich goss die Pflanze dennoch liebevoll und stellte sie an einen hellen Ort in die Küche. Ich hoffte wohl ein bisschen, durch meine Aufmerksamkeit alleine würde sie sich irgendwann gut entwickeln.

    Irgendwann beim Gießen dachte ich mir:

    Wenn die Orchidee in der Natur auf Bäumen wächst – wieso stecken wir sie dann überhaupt in einen Blumentopf?

    Ich holte sie heraus und bestaunte die vielen eng verwobenen Wurzeln. Schließlich stellte ich sie in ein rundes Glas mit Glassteinchen. Manche Orchideen wachsen schließlich sogar auf Steinen – vielleicht müsste es dann mit Glas auch funktionieren?

    Das Glas ist oben geöffnet und die Wurzeln bekommen Luft. Finde ich, dass sie etwas zu trocken aussehen, beträufele ich sie mit Wasser. Manchmal lege ich anschließend für kurze Zeit ein Buch auf das Glas. Innerhalb kürzester Zeit erhöht sich darin sichtbar die Luftfeuchtigkeit und Wasser kondensiert an der Glaswand.

    Ob das nun das perfekte Orchideenklima ist, weiß ich nicht.

    Aber die Orchidee schien etwas damit anfangen zu können.

    Innerhalb weniger Tage entdeckte ich neue kräftige Wurzeln und ein neues Blatt begann zu wachsen. Damit hat die Pflanze nun endlich vier Blätter.

    Heute fand ich: Wenn meine Orchidee schon nicht unbedingt in einem Blumentopf leben möchte, könnte sie statt auf Steinen vielleicht auch wieder ein kleines bisschen mehr auf einem Baum leben.

    Also holte ich das restliche feuchte Substrat zwischen ihren Wurzeln hervor und setzte die Orchidee auf einen Ast.

    Ich hoffe sehr, dass der Pflanze das gefällt und sie sich weiterentwickeln kann.

    Ich bin jedenfalls sehr stolz auf sie. Auch ohne Blüten.

  • Künstler

    Künstler

    Im Schulunterricht in Deutschland gibt es das Fach Kunst. Und das hat ebenso seine Berechtigung wie übrigens Sport.

    Um unser studiertes Fach auch in Zukunft mit Sicherheit unterrichten zu können, gab es an der Universität sogar ein eigenes Seminar dazu: Was ist Sport für eine Bereicherung für Kinder – und weshalb sollte dafür während der Schulzeit auch einmal Lesen, Schreiben oder Rechnen ausgesetzt werden?

    Wir büffelten Leitsätze, schauten uns die geschichtliche Entwicklung des Sportunterrichts in Deutschland an und waren ziemlich überrascht darüber, dass man überhaupt gegen das Fach Sport argumentieren konnte.

    Ob es den Kunststudenten für Lehramt ähnlich ging, weiß ich nicht.

    Zumindest war das in Mathe und Deutsch niemals die Frage. Beim Fach Englisch stellte ich sie mir selbst – und fand die Antwort irgendwann in der Biografie eines meiner Lieblingsmenschen – Man muss das schon auch wollen.

    Unterstützt in meiner Kreativität hat mich der Kunstunterricht auf jeden Fall. Ich bekam neue Techniken, Stilrichtungen und handwerkliche Fähigkeiten an die Hand.

    Kunst erkenne ich daran, dass sie etwas in mir auslöst.

    Am liebsten positive Emotionen. Überraschende Perspektiven. Die Harmonie, wenn etwas zusammenpasst. Spannend finde ich aber auch Gegensätze, die sich gegenseitig erst interessant machen.

    Und für Kreativität braucht man Mut, sich auszudrücken.

    Ich habe nicht den Anspruch, andere von meiner Kunst zu überzeugen. Aber ich möchte sie erklären können. Vielleicht kann ich einem anderen Menschen damit ein wenig näherbringen, was ich daran besonders gelungen finde und warum ich etwas genau so gemacht habe. Diese Erklärung kommt aber nur, wenn ich gefragt werden sollte.

    Kunst muss mich also berühren, wenn ich sie betrachte. Irgendwo im Innersten.

    Wenn ich selbst künstlerisch oder kreativ bin, geht es noch um etwas anderes. Dann gibt es eine Emotion, einen Gedanken oder ein Gefühl – und ich möchte versuchen, etwas davon sichtbar und vielleicht sogar für andere spürbar zu machen.

    Ich möchte etwas transportieren.

    Und dafür suche ich das Material, die Form oder die Technik, die mir dabei helfen kann.

    Die Kunst, die für mich wohl am präsentesten ist und am lautesten nach Aufmerksamkeit ruft, ist Graffiti.

    In meiner Umgebung ist es in den vergangenen zwanzig Jahren etwas seltener geworden. In der Rheinaue gibt es allerdings schon lange eine freie Graffiti-Wand, die sich immer wieder verändern darf. Jeder darf dort sprayen.

    Wenn ich beim Autofahren oder in Städten Graffiti entdecke, erstaunt mich häufig die Farbenvielfalt. Ich mag die scharfen Konturen, die Farbverläufe und die Art, wie Schicht für Schicht etwas entsteht. Besonders fasziniert mich das Spiel mit der Verformung von Buchstaben.

    Mein Lieblingsgraffiti?

    Na ja.

    Ich komme ursprünglich aus Bonn.

    INF.

    Natürlich.

    In Foren fragen Menschen immer wieder, was das denn nun bedeuten würde – und warum man nicht einfach etwas „Richtiges“ sprayen könne.

    Ich muss dann grinsen, beschließe, mich nicht einzumischen, und schließe das Forum wieder.

    Viele Graffiti habe ich im Kopf. Und ich freue mich jedes Mal, wenn mir wieder eines begegnet.

    Ausgerechnet ein technisch sehr spartanisch und ziemlich laienhaft ausgeführtes „Graffiti“ hat meine Gedanken und Gefühle aber bis heute in Bewegung gehalten.

    Es stand in großen schwarzen und roten, krakeligen Buchstaben auf einer riesigen Betonschräge unter einer Brücke:

    „The only good nation is the imagiNation.“

    Wer weiß, wofür INF steht, hat das Glück, es zu wissen.

    Und wer nicht weiß, wofür INF steht, hat das Glück, seine Imagination spielen zu lassen.

  • Erleben

    Erleben

    Zwei Menschen können dieselbe Situation erleben und sich später ganz unterschiedlich an sie erinnern.

    Fragt die Polizei nach einem Verkehrsunfall verschiedene Zeugen, kann es sein, dass zwei Menschen etwas vollkommen Unterschiedliches berichten. Der eine erinnert sich an ein rotes, der andere an ein blaues Auto, das den Unfallort verlassen hat. In einem Punkt stimmen beide jedoch überein: Das Auto fuhr schnell davon. Vielleicht beschreiben beide es sogar als hektisch oder fluchtartig.

    Was genau geschehen ist und wie wir etwas erlebt haben, muss also nicht dasselbe sein.

    Manche Einzelheiten scheinen zu verblassen oder verändern sich in unserer Erinnerung. Anderes bleibt erstaunlich deutlich. Vielleicht kann sich das Wie eines Augenblicks tiefer einprägen als ein Detail, das für uns in diesem Moment keine besondere Bedeutung hatte.

    Erleben ist subjektiv.

    Als Kind begegnete mir René Magrittes berühmtes Bild einer Pfeife mit den Worten:

    „Ceci n’est pas une pipe.“ – Dies ist keine Pfeife.

    Doch, dachte ich. Natürlich ist das eine Pfeife. Ich sehe sie doch.

    Erst später verstand ich: Es war tatsächlich keine Pfeife. Ich hätte sie weder stopfen noch mit ihr rauchen können. Vor mir befand sich das Bild einer Pfeife.

    Und trotzdem hatte ich eine Pfeife erkannt.

    Meine Wahrnehmung hatte mich nicht belogen. Sie hatte etwas erkannt, eingeordnet und gedeutet.

    Unser Erleben ist ein vielschichtiges Zusammenspiel aus Sinneseindrücken, Körperempfindungen, Gedanken und Gefühlen. Und es unterliegt vielen Einflüssen.

    Ich kenne zum Beispiel das Gefühl, das entsteht, wenn ich einen ganz bestimmten Duft rieche.

    Ich könnte diesen Duft niemals wirklich beschreiben. Dafür ist er viel zu flüchtig. Und noch bevor ich versuchen könnte, einzelne Duftnoten zu erkennen, ist da längst etwas anderes:

    Glück und Geborgenheit.

    Ich weiß nicht mehr, was es ursprünglich einmal für ein Duft war. Ich weiß nicht mehr, wo ich ihn zum ersten Mal gerochen habe oder in welcher Situation. Vielleicht wusste ich es irgendwann einmal.

    Was geblieben ist, ist das Gefühl.

    Gefühle verknüpfen sich im Laufe unseres Lebens mit Erfahrungen und Erinnerungen. Neue Erlebnisse kommen hinzu, alte verblassen, manches verbindet sich miteinander.

    Und manchmal bleibt etwas, obwohl Zeit, Ort und Anlass längst unscharf geworden sind.

    Vielleicht muss ich später nicht mehr wissen, ob dort wirklich ein Bild hing, wer es aufgehängt hat oder was dazu gesagt wurde.

    Wenn etwas ein Gefühl in mir hinterlassen hat, dann ist dieses Gefühl heute da.

    Ich darf ihm glauben – als meinem Gefühl.

    Es beweist mir nicht jedes Detail der Vergangenheit. Es sagt mir nicht zweifelsfrei, was wann, wo und wie geschehen ist.

    Das muss es auch gar nicht.

    Es erzählt mir, wie etwas in mir weiterlebt.

    Vielleicht ist meine Realität deshalb gar nicht so zerbrechlich, wie sie manchmal erscheint.

    Ich darf wissen, was ich weiß.
    Ich darf fühlen, was ich fühle.
    Ich darf mich erinnern, woran ich mich erinnere.

    Und bei dem, was ich nicht mehr sicher weiß, darf ich sagen:

    Ich weiß es nicht.

    Das eine nimmt dem anderen nichts.

    Und ich muss nicht anfangen, jede Erinnerung auseinanderzunehmen, nur um herauszufinden, welcher Teil davon ganz sicher war.

    Nicht alles muss aufgeklärt werden. Nicht jede Lücke muss geschlossen werden. Nicht jede Unsicherheit braucht eine Antwort.

    Manchmal darf eine Erinnerung unvollständig bleiben.

    Ich muss sie nicht wieder und wieder betrachten, überprüfen und neu zusammensetzen, bis ich glaube, endlich Gewissheit gefunden zu haben.

    Denn vielleicht gibt es diese Gewissheit gar nicht mehr.

    Und auch das darf sein.

    Ich muss nicht jede Erinnerung verstehen, um meinem Erleben vertrauen zu dürfen.

    Ich muss mich nicht zwischen absoluter Gewissheit und vollständigem Zweifel an mir selbst entscheiden.

    Vielleicht bedeutet dem eigenen Erleben zu vertrauen nicht, jede Erinnerung für unumstößlich zu halten.

    Vielleicht bedeutet es, unterscheiden zu dürfen.

    Zwischen dem, was ich weiß.
    Dem, was ich erinnere.
    Dem, was ich daraus deute.
    Und dem, was ich fühle.

    Ohne daraus eine neue Aufgabe zu machen.

    Ich darf hinschauen, wenn mir das Hinschauen etwas gibt.

    Und ich darf einen Gedanken auch wieder ziehen lassen.

    All das gehört zu meinem Erleben.

  • Entspannende Tätigkeiten

    Entspannende Tätigkeiten

    Ich habe viele Dinge, die mich entspannen. Und viele Tätigkeiten, die mir Freude bereiten, obwohl sie nicht wirklich produktiv oder effizient sind.

    Einige davon sind kognitiv anfordernd, wie Rätsellösen oder Kochen, andere sind kognitiv immens entlastend.

    Diamond Painting ist für mich so eine Tätigkeit, bei der ich mich kognitiv nicht gefordert fühle.

    Die immergleiche Bewegung der Hand geht nach einer Zeit vollkommen automatisch.

    Ich kann, obwohl ich mich mit einer Tätigkeit im Außen beschäftige, mich voll und ganz mir selbst widmen.

    Ich stelle die Beine locker nebeneinander, die Füße flach auf den Boden. Meine Schultern sind entspannt und hängen locker. Ich achte auf einen ziemlich geraden und stabilen Oberkörper mit leichter Grundspannung.

    Diamond Painting mache ich in einem hellen, freundlichen Raum mit großen Fenstern zur Natur hinaus. Ich mache mir wunderschöne Hintergrundmusik an, die ruhig und gleichmäßig klingt.

    So vertieft hänge ich meinen Gedanken nach – nur ein Stück weit.

    Ich versuche, nicht zu bewerten, sondern andere Perspektiven einzunehmen, um mich im nächsten Moment wieder vollkommen meiner Tätigkeit zuzuwenden: dem Diamond Painting mit seinen Tausenden von Miniatursteinchen.

    Wenn man alles bis hierhin getan hat, alles auf den Weg gebracht hat und entweder nur wartet oder nicht mehr warten muss, dann lohnt sich für mich genau diese Tätigkeit.

    Es muss nichts dabei rauskommen,
    außer, dass es mir jetzt in diesem Moment unglaublich gut geht.

  • Sein

    Sein

    Was wir im Alter lernen, lernen wir von den Kindern, weil wir es durch Erwachsene, als wir noch Kinder waren, verloren haben.

    Ich finde das gar nicht abwegig. Erstens, weil ich es selbst so erlebt habe, und zweitens, weil nicht jeder Erwachsene Kinder erst zurechtbiegen muss, bevor diese selbst erwachsen werden. Erwachsenwerden ist nämlich ganz einfach.

    Warum wollen Kinder erwachsen werden?

    Ich habe gesehen, wie meine Oma Einkaufszettel schrieb. Sie hatte die unendliche Macht anzugeben, welches Mittagessen wir an welchem Tag aßen – und welchen Nachtisch es dazu gab.

    Meine Eltern machten sich für die Arbeit fertig. Ganz schick. Also musste Arbeitengehen etwas sehr Wichtiges und auch Schönes sein. Schickmachen kannte ich von Familienfeiern und Feiertagen. Das konnte nur etwas Gutes bedeuten.

    Meine älteren Geschwister bekamen irgendwann ihr eigenes verdientes Geld. Sie zeigten mir stolz ihre ersten selbstgekauften Baggyhosen, Pullover und luden mich zu einer großen Portion Eis ein.

    Dass man tut, was Mama und Papa sagen, war ja klar. Also Eltern werden musste auch prima sein.

    Alles in allem wurde einem vermittelt: Erwachsen werden ist mega toll. Mach das!

    So wurde ich groß.

    Als ich endlich Verantwortung übernehmen durfte, wollte ich das unbedingt.

    Ich tat viele Dinge auf meine Weise.

    Denn ich hatte das große Glück, nicht Erwachsene zu haben, die ständig sagten: „Du musst aber dies und jenes“ oder „Es wäre besser, wenn Du erst …“. Denn die Anforderungen, die ich an mich stellte, waren die, die man ohnehin zum Erwachsenwerden benötigte.

    Und die kommen auch, ohne dass ein Erwachsener schon im Kindergartenalter anfängt zu sagen: „Uh, Schule. Da beginnt der Ernst des Lebens.“

    Denn den Ernst kenne ich sehr gut. Der begegnet mir immer dann, wenn ich an Erwachsene denke oder mit welchen zu tun habe, die wollen oder wollten, dass ich erwachsen bin – entweder als ich noch ein Kind und dazu außerstande war oder als ich definitiv schon erwachsen war und mir das keiner mehr sagen musste.

    Denn ich und Du – sind ja einfach nur Ich und Du.

    Und vielleicht können wir genau das wieder ein bisschen von Kindern lernen.

    Ein Kind kann minutenlang einen Käfer beobachten, durch Gras streichen oder einfach irgendwo liegen – und braucht dafür keinen Grund. Es muss anschließend nicht erklären, was ihm diese Zeit gebracht hat.

    Es ist nicht faul und es „verschwendet“ keine Zeit.

    Es ist einfach da.

    Einer meiner Lieblingsmenschen sagte vor ein paar Wochen zu mir:

    „Faul sein. Das gibt es gar nicht. Das haben sich nur andere ausgedacht, um einem ein schlechtes Gefühl zu geben.“

    Ich musste darüber nachdenken.

    Denn wie oft bewerten wir einen Moment danach, was wir darin geschafft haben? Wie sinnvoll wir ihn genutzt haben? Ob wir produktiv waren?

    Dabei gibt es Momente, in denen es nichts zu erreichen gibt.

    Man darf einen Käfer einfach anschauen.
    Man darf im Gras liegen.
    Man darf die Sonne spüren.
    Man darf nichts vorhaben.

    Vielleicht ist das gar kein Nichtstun.

    Vielleicht ist das einfach Sein.

  • Resümee

    Resümee

    Ganz spontan kam mir der Gedanke nicht.

    Er war seit Jahren immer mal wieder da. Etwas wehmütig, etwas fragend, wieso – aber nicht vorwurfsvoll in irgendeine Richtung.

    Man hat regelmäßig mit einem lieben Menschen Kontakt. Trifft sich, schreibt Nachrichten hin und her und ist eben einfach im Kontakt.

    Keiner kann es nachher so richtig rekonstruieren, aber irgendwann fällt einem auf: Wo ist eigentlich mein Freund, mein Kumpel, die Person, mit der ich so viele gute Gespräche hatte? Mit der es so gut tat, sich zu treffen?

    Ich denke all die Jahre immer mal wieder an diese Person. An das, was ich noch weiß. Wo sie damals stand. Und stelle mir vor, wie wunderbar ihr Leben wahrscheinlich laufen wird.

    „Hey. Ich hier. Würde mich freuen, wenn Du Dich mal meldest. Hier meine Nummer.“

    Schreibe ich spontan auf einem Parkplatz irgendwo auf einen Zettel, falte ihn einmal in der Mitte und werfe ihn in den Briefkasten, von dem ich weiß: Der gehörte vor Jahren noch diesem Menschen. Der Name steht auch noch an der Tür.

    Ein kleines Kribbeln läuft mir durch den Bauch.

    Das könnte gut werden, denke ich mir und setze meinen Weg fort.

    Ein paar Tage später erscheint auf meinem Handy eine Nachricht.

    „Hey. Ich hier. Habe Deine Nachricht erhalten. Wohne dort nicht mehr. Wir könnten einen Kaffee trinken.“

    Yeay. Freude.

    Wir treffen uns nachmittags zum Kaffee. Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen? Wie kam es überhaupt dazu, dass der Kontakt einschlief?

    Ungeklärte Fragen. Eine genaue Rekonstruktion schaffen wir nicht. Ist aber auch gar nicht von Bedeutung.

    Wow, was alles passiert ist in dieser Zeit.

    Ich führe aus, der Freund führt aus. Wir sind auf dem neuesten Stand. Auf und Abs in den letzten Jahren. Wir ziehen ein Resümee, befinden vieles für besser, einiges für schlechter.

    Aber die Werte stimmen immer noch: Zuversicht, Gesundheit, Karriere, innere Balance, stabilisiert durch Selbstliebe.

    Und immer wieder reflektieren wir. Wie einfach es hier ist, mal von sich wegzutreten. Die letzten Jahre etwas anders zu sehen, gemeinsam mal einzuordnen.

    Wir haben uns sofort, in den ersten paar Sekunden, wiedergefunden.

    Unangestrengt und sicher. Der andere versteht uns. Und wenn nicht, dann fragen wir eben nochmal nach.

    Einfach, ungezwungen, ein wenig wissend und immer neugierig.

    Vielleicht ist es ein bisschen wie mit einer Blüte, die jedes Jahr neu erscheint. Eine Zeit lang ist sie ganz verschwunden. Nicht vergessen – nur nicht da. Und wenn sie wiederkommt, kennt man sie sofort. Vertraut. Gleich und doch ein wenig anders.

    Ob wir uns wieder aus den Augen verlieren?

    Kann schon sein.

    Aus dem Herzen jedenfalls nicht.

    16 Jahre – auch wenn die Phasen mal länger sind, in denen man sich nicht sieht.

    Es tut gut, zu wissen, dass etwas bleibt.

  • Balance der Woche #003 – Sonnenlicht fühlen

    Balance der Woche #003 – Sonnenlicht fühlen

    Manchmal genügt ein Schritt nach draußen, um den eigenen Tag für einen Moment anders wahrzunehmen.

    Licht begleitet uns ganz selbstverständlich durch unseren Alltag. Morgens wird es heller, im Laufe des Tages verändert es sich und am Abend verschwindet es langsam wieder. Meist geschieht all das, ohne dass wir ihm besondere Aufmerksamkeit schenken.

    Dabei können wir Licht nicht nur sehen. Wir können es auch spüren.

    Die Wärme auf der Haut. Die Helligkeit um uns herum. Den Unterschied zwischen Licht und Schatten. Vielleicht auch die Veränderung, die wir in uns selbst bemerken, wenn wir für einige Minuten nach draußen gehen.

    Für diesen Wellenimpuls brauchst Du deshalb nichts weiter zu tun, als Dir ein wenig Zeit zu schenken.

    Nicht, um möglichst viel Sonne zu bekommen.
    Nicht, um Dich anschließend anders fühlen zu müssen.

    Sondern um wahrzunehmen:

    Wie fühlt sich Tageslicht für mich heute an?

    Vielleicht entdeckst Du dabei etwas, das jeden Tag da ist – und dem Du bisher nur selten bewusst begegnet bist.

    Bis nächste Woche.

  • Liebe lässt frei

    Liebe lässt frei

    Im Winter 2022 stolperte ich über einen Spruch:

    „Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer.“

    Wenn ich mir meine Katzen anschaue, denke ich: Ja, irgendwie stimmt das.

    Ich bin gut und lieb zu ihnen, kraule sie und finde, ich verehre sie durchaus adäquat. Katzenklo, Kratzbäume, feines Essen und frisches Trinken. Sie haben alles, was so eine Katze benötigt.

    Obwohl meine zwei Damen drei Jahre beim Vorbesitzer richtige Indoor-Katzen waren, kann ich sie heute in den Garten lassen. Sie könnten gehen. Tun sie aber nicht.

    Natürlich stehen sie auch in einer gewissen Abhängigkeit zu uns. Sie werden von uns versorgt. Aber da ist noch etwas anderes: Pflege, Hege und die grenzenlose Zuneigung, die wir drei Menschen diesen lieben Katzen entgegenbringen.

    Bei einer Liebesbeziehung ist es anders. Unsere Katzen suchen wir uns meistens aus – zwei Menschen entscheiden sich gegenseitig füreinander.

    Und vielleicht beginnt genau da etwas, worüber ich bei diesem Spruch immer wieder nachdenken muss.

    Was bedeutet es eigentlich, einen Menschen zu lieben?

    Wenn ich an meinen Liebes-Menschen denke, kommen mir sofort positive Beschreibungen über ihn in den Sinn. Über sein Aussehen, sein Verhalten mir gegenüber, seine Art und Weise, Dinge anzugehen, seinen Respekt vor mir.

    Und darüber, wie ich mich bei ihm fühle.

    Sicher und geborgen.

    Ich freue mich auf diesen Menschen. Und ich weiß: Egal, wie es mir geht, ich muss mich nicht verbiegen. Ich könnte es versuchen – aber wahrscheinlich würde er es ohnehin merken und mir wieder Halt geben. Bewusst oder unbewusst.

    Eine freiwillige Abhängigkeit?

    Nein. Vielleicht möchte ich Abhängigkeit lieber wieder durch Pflege und Hege ersetzen.

    Denn genau da liegt für mich die wichtige Botschaft dieses Spruchs.

    Wenn ich einen anderen Menschen von mir abhängig mache, mich selbst abhängig mache, Forderungen an meine Liebe knüpfe oder ständig Liebe einfordere, ohne auf die Bedürfnisse des anderen zu schauen, entsteht Druck.

    Und Druck fühlt sich nicht nach Freiheit an.

    Wo dagegen Vertrauen ist, darf sich jeder entwickeln. Jeder darf auch für sich selbst ein ganzer Mensch bleiben.

    Ich vertraue meinem Liebes-Menschen und lasse ihm seine Freiheiten, seine Hobbys und seine Eigenheiten. Er darf Dinge erleben, die nichts mit mir zu tun haben. Eigene Gedanken haben. Eigene Interessen. Eigene Zeit.

    Und dann kommt er wieder.

    Nicht, weil er muss.

    Sondern weil zwischen uns etwas entstanden ist, zu dem er zurückkehren möchte.

    Vielleicht bedeutet „freilassen“ deshalb gar nicht, jemanden gehen zu lassen.

    Vielleicht bedeutet es, einen Menschen nicht festhalten zu müssen.

    Vertrauen und Liebe – ich lasse frei.

  • Der Duft meiner Kindheit

    Der Duft meiner Kindheit

    Als Kind schlenderte ich mit meinen Eltern oft durch den Park von Schloss Sanssouci in Potsdam.

    Friedrich der Große liebte die französische Kultur, und bis heute trägt Sanssouci viele Spuren dieser Zeit. Für mich als Kind war das natürlich nebensächlich. Für mich waren da vor allem der große Park, die Wege – und der Lavendel.

    Immer wieder gingen wir an üppigen Lavendelsträuchern entlang. Meine Mutter erzählt von einer verwandten Tante, die um die Jahrhundertwende 1800 einst Gärtnerin in diesem wunderbaren Park gewesen sein soll.

    Wenn man ganz nah an den Lavendelsträuchern vorbeiging, blieb der Duft an der Kleidung hängen. Anschließend roch man wunderbar nach Lavendel.

    Mich beruhigt dieser Duft bis heute.

    Mein Nervensystem fährt herunter und ich entspanne mich. Mich zieht es richtig zu diesem Duft hin. Sehe ich irgendwo Lavendel blühen oder im Winter trocken stehen, reibe ich an den Blättern oder streife ganz nah an den Büschen vorbei.

    Auch heute noch.

    Als Kind hätte ich mich hineinlegen können.

    Meine Mutter hat mir diese Liebe wohl vererbt.

    Sie backte Lavendelplätzchen und flocht Lavendelkolben.

    Heute habe auch ich Lavendel in meinem Garten. Erst seit einem Jahr. Dieses Jahr konnte ich zum ersten Mal ernten – und meinen ersten eigenen Lavendelkolben flechten.

    Geerntet habe ich an einem trockenen Morgen. Die Blüten waren bereits leicht geöffnet und verströmten diesen wunderbaren Duft.

    Dann saß ich da mit den langen Stielen vor mir und begann, meinen ersten Lavendelkolben zu flechten.

    Blüte für Blüte verschwand unter dem karierten Band.

    Und plötzlich war da etwas, das viel weiter zurückreichte als bis zu meinem eigenen Garten.

    Der Park.
    Meine Kindheit.
    Meine Mutter.
    Dieser Duft.

    Manche Dinge begleiten uns durchs ganze Leben.