Kategorie: Leben im Einklang (Innen & Außen)

Gestalte Deinen Alltag bewusster, finde Balance zwischen Verpflichtungen und Erholung und schaffe Räume, in denen Du aufatmen kannst.

  • Geranien bleiben

    Geranien bleiben

    Die lang herabwallenden Geranien an den Fachwerkhäusern in den Alpen fand ich schon immer wunderschön.

    Lange Zeit konnte ich allerdings kaum glauben, dass diese üppigen Blüten tatsächlich mit den stinkenden Pflanzen in den Blumenkästen meiner Nachbarn verwandt sein sollten.

    Ich habe das noch nie jemanden sagen hören, aber:

    Für mich stinken Geranien.

    So richtig.

    Meine eigene Karriere als Blumenkastengärtnerin begann ohnehin eher experimentell.

    Seit ich als Jugendliche anfing, mein Zimmer regelmäßig umzugestalten, versuchte ich mich auch immer wieder an Pflanzen im Blumenkasten.

    Ich hätte erahnen können, dass Möhren dafür vielleicht nicht die allerbeste Wahl sind.

    Die Möhren taten ihr Bestes. Wirklich.

    Aber der Platz zum Nach-unten-Wachsen war doch erheblich begrenzt.

    Also: keine so ganz gute Idee.

    Von Bienenwiesen und krummen Ringelblumen

    Mit meinen beiden Ältesten säte ich später ein Päckchen Bienenwiese aus, das es im Kindergarten geschenkt gegeben hatte.

    Die Kräuter und Wiesenblumen wuchsen zunächst wunderbar.

    Leider hatte ich offenbar beschlossen, möglichst vielen Pflanzen auf möglichst wenig Raum ein Zuhause zu geben.

    Sie standen viel zu dicht beieinander und gingen ziemlich schnell wieder ein.

    Eine Teufelskralle hielt sich immerhin ganz wacker und wurde von den Kindern stolz beäugt.

    Mein nächster Versuch waren Ringelblumen.

    Diesmal wusste ich es besser.

    Mit viel Liebe und ausreichend Abstand setzte ich die Samen, goss und düngte sogar korrekt dosiert.

    Das Ergebnis:

    Krumme Stiele und unsymmetrische Blüten.

    Gut, dachte ich mir.

    Dann eben Geranien.

    Dann eben Geranien

    Drei hübsche, kräftig rote Exemplare suchte ich mir aus.

    Eine Geranie pro Blumenkasten. Reichlich Platz. Und das Fenster lasse ich eben zu, dann muss ich sie auch nicht riechen.

    Man soll Geranien ordentlich gießen.

    Das klang machbar.

    Also bekamen sie beim morgendlichen Lüften jeweils einen guten Schluck Wasser. An heißen Tagen täglich, an weniger heißen auch mal erst nach zwei oder drei Tagen.

    Und siehe da:

    Sie wachsen.

    Und wachsen.

    Und wachsen.

    Ganz ohne großes Theater und bisher sogar ohne Dünger.

    Knospe um Knospe entsteht. Blüte um Blüte öffnet sich. Die Pflanzen bekommen immer mehr Blätter und werden richtig schön üppig.

    Alle paar Tage zupfe ich die verblühten Blüten heraus. Das geht erstaunlich einfach. Die Geranie ist ein bisschen wie ein Stecksystem aufgebaut – an der richtigen Stelle angefasst, lässt sich das Verblühte einfach abknicken.

    Offenbar habe ich endlich eine Blumenkastenpflanze gefunden, die mit mir zufrieden ist.

    Dummerweise ist es ausgerechnet die, deren Geruch ich nicht leiden kann.

    Sie bleiben

    Inzwischen mag ich meine Geranien trotzdem.

    Sie sind unkompliziert, kräftig und erstaunlich robust. Sie verzeihen es auch, wenn ich mich einmal nicht exakt an einen Gießplan halte, und belohnen mich trotzdem immer wieder mit neuen roten Blüten.

    Und weil sie sich nun schon so tapfer durch den Sommer geschlagen haben, werde ich natürlich versuchen, sie auch durch den Winter zu bringen.

    Das haben sie sich verdient.

    Vielleicht muss schließlich nicht alles perfekt zu einem passen, um einen Platz im eigenen Leben zu bekommen.

    Manches wächst einem offenbar einfach ans Herz.

    Gestank hin oder her.

    Meine Geranien bleiben.

    Ob ich will oder nicht. XD

  • Bügeln

    Bügeln

    Ich weiß, dass ich nicht unbedingt bügeln müsste. Viele sagen, man sähe es gar nicht, wenn Kleidung gebügelt wäre.

    Das kann sein. Wenn man Kleidung gerade zum Trocknen aufhängt oder den Trockner benutzt und anschließend die Kleidung schön gerade zusammenlegt, dann bräuchte man tatsächlich gar nicht bügeln.

    Meine Oma und ich hatten im Elternhaus ein Zimmer unter dem Dach nebeneinander. Wir hörten den gleichen Radiosender. Hatte ich Langeweile, so besuchte ich meine Oma in ihrem Zimmer und schaute ihr zu. Beim Stricken und beim Bügeln.

    Sie hatte beim Bügeln ihr Bügelbrett aufgebaut, die Sprayflasche Bügelsteif stand neben ihr und mit dem heißen Eisen arbeitete sie sich faltenfrei durch den riesigen Wäscheberg von sieben Personen.

    Als ich auszog, war für mich klar, dass auch ich bügeln werde.

    Beigebracht hat es mir keiner so richtig, aber ich habe viel bei meiner Oma abgeschaut. Ich hatte nicht so ein kleines Seitenbügelbrett für die Ärmel, wie meine Oma dies hatte, aber es klappte auch so ganz gut. Die richtige Wahl der Temperatur hatte ich schnell im Griff – steht ja auch alles auf dem Bügeleisen drauf.

    Anfangs brauchte ich sehr lange zum Bügeln, was mich aber nicht davon abhielt, es zu tun. Auch wenn ich von allen Seiten immer wieder hörte, heute müsse man doch nicht mehr bügeln.

    Ich bügle immer noch sehr gerne regelmäßig jede Woche. Bügeln war auch ein Sprungbrett für mich zum Nähen.

    Ich habe mein Bügeleisen seit 20 Jahren. Es hat einen großen Wassertank, in dem ich das destillierte Wasser mit Duftwasser vermenge. Ja, mein Bügeleisen ist laut. Was nicht schlimm ist, da ich mein Radio ja auch lauter machen kann.

    Richtig, Radio höre ich dabei auch immer noch – jedoch immer mal wieder einen anderen Sender.

    Tanzeinlagen gehören für mich dazu.

    Und ich liebe die vollen Körbe frisch gewaschener Wäsche, die zu kleinen ordentlichen Stapeln Kleidung führen.

    Für mich ist Bügeln Meditation, Selbstfürsorge, Beschäftigung, aktives Bewegen, Sorgfalt und Kümmern um meine Lieblingsmenschen in meinem Haushalt.

  • Artgerechte Haltung

    Artgerechte Haltung

    Vor zwei Jahren bekam ich zum Geburtstag von einer lieben Freundin eine kleine Orchidee geschenkt. Sie blühte mit einigen kleinen, zarten Blüten, hatte drei Blätter und steckte in einem winzigen weißen Blumentopf.

    Für blühende Pflanzen habe ich nicht gerade den „grünen Daumen“, wollte mich aber voll und ganz um diese kleine Pflanze bemühen. Ich hatte in meinem Leben schon häufiger Orchideen geschenkt bekommen. Leider wurden diese bei mir nie besonders alt.

    Bei meiner kleinen aktuellen Orchidee fielen bald die Blüten ab und so stand recht lange ein kahler, vertrockneter Stängel empor. Ich wollte die Pflanze nicht verletzen, also ließ ich sie so, wie sie war. Irgendwann knickte der Stängel von alleine ab.

    Ein Jahr später blühte meine kleine Orchidee erneut. Diesmal wuchs der Stängel seitlich von den Blättern weg. Das sah etwas seltsam aus und lange blieben auch diese Blüten leider nicht. Nun stand wieder ein kahler Stiel lange Zeit seitlich von der Pflanze ab.

    Ich goss die Pflanze dennoch liebevoll und stellte sie an einen hellen Ort in die Küche. Ich hoffte wohl ein bisschen, durch meine Aufmerksamkeit alleine würde sie sich irgendwann gut entwickeln.

    Irgendwann beim Gießen dachte ich mir:

    Wenn die Orchidee in der Natur auf Bäumen wächst – wieso stecken wir sie dann überhaupt in einen Blumentopf?

    Ich holte sie heraus und bestaunte die vielen eng verwobenen Wurzeln. Schließlich stellte ich sie in ein rundes Glas mit Glassteinchen. Manche Orchideen wachsen schließlich sogar auf Steinen – vielleicht müsste es dann mit Glas auch funktionieren?

    Das Glas ist oben geöffnet und die Wurzeln bekommen Luft. Finde ich, dass sie etwas zu trocken aussehen, beträufele ich sie mit Wasser. Manchmal lege ich anschließend für kurze Zeit ein Buch auf das Glas. Innerhalb kürzester Zeit erhöht sich darin sichtbar die Luftfeuchtigkeit und Wasser kondensiert an der Glaswand.

    Ob das nun das perfekte Orchideenklima ist, weiß ich nicht.

    Aber die Orchidee schien etwas damit anfangen zu können.

    Innerhalb weniger Tage entdeckte ich neue kräftige Wurzeln und ein neues Blatt begann zu wachsen. Damit hat die Pflanze nun endlich vier Blätter.

    Heute fand ich: Wenn meine Orchidee schon nicht unbedingt in einem Blumentopf leben möchte, könnte sie statt auf Steinen vielleicht auch wieder ein kleines bisschen mehr auf einem Baum leben.

    Also holte ich das restliche feuchte Substrat zwischen ihren Wurzeln hervor und setzte die Orchidee auf einen Ast.

    Ich hoffe sehr, dass der Pflanze das gefällt und sie sich weiterentwickeln kann.

    Ich bin jedenfalls sehr stolz auf sie. Auch ohne Blüten.

  • Künstler

    Künstler

    Im Schulunterricht in Deutschland gibt es das Fach Kunst. Und das hat ebenso seine Berechtigung wie übrigens Sport.

    Um unser studiertes Fach auch in Zukunft mit Sicherheit unterrichten zu können, gab es an der Universität sogar ein eigenes Seminar dazu: Was ist Sport für eine Bereicherung für Kinder – und weshalb sollte dafür während der Schulzeit auch einmal Lesen, Schreiben oder Rechnen ausgesetzt werden?

    Wir büffelten Leitsätze, schauten uns die geschichtliche Entwicklung des Sportunterrichts in Deutschland an und waren ziemlich überrascht darüber, dass man überhaupt gegen das Fach Sport argumentieren konnte.

    Ob es den Kunststudenten für Lehramt ähnlich ging, weiß ich nicht.

    Zumindest war das in Mathe und Deutsch niemals die Frage. Beim Fach Englisch stellte ich sie mir selbst – und fand die Antwort irgendwann in der Biografie eines meiner Lieblingsmenschen – Man muss das schon auch wollen.

    Unterstützt in meiner Kreativität hat mich der Kunstunterricht auf jeden Fall. Ich bekam neue Techniken, Stilrichtungen und handwerkliche Fähigkeiten an die Hand.

    Kunst erkenne ich daran, dass sie etwas in mir auslöst.

    Am liebsten positive Emotionen. Überraschende Perspektiven. Die Harmonie, wenn etwas zusammenpasst. Spannend finde ich aber auch Gegensätze, die sich gegenseitig erst interessant machen.

    Und für Kreativität braucht man Mut, sich auszudrücken.

    Ich habe nicht den Anspruch, andere von meiner Kunst zu überzeugen. Aber ich möchte sie erklären können. Vielleicht kann ich einem anderen Menschen damit ein wenig näherbringen, was ich daran besonders gelungen finde und warum ich etwas genau so gemacht habe. Diese Erklärung kommt aber nur, wenn ich gefragt werden sollte.

    Kunst muss mich also berühren, wenn ich sie betrachte. Irgendwo im Innersten.

    Wenn ich selbst künstlerisch oder kreativ bin, geht es noch um etwas anderes. Dann gibt es eine Emotion, einen Gedanken oder ein Gefühl – und ich möchte versuchen, etwas davon sichtbar und vielleicht sogar für andere spürbar zu machen.

    Ich möchte etwas transportieren.

    Und dafür suche ich das Material, die Form oder die Technik, die mir dabei helfen kann.

    Die Kunst, die für mich wohl am präsentesten ist und am lautesten nach Aufmerksamkeit ruft, ist Graffiti.

    In meiner Umgebung ist es in den vergangenen zwanzig Jahren etwas seltener geworden. In der Rheinaue gibt es allerdings schon lange eine freie Graffiti-Wand, die sich immer wieder verändern darf. Jeder darf dort sprayen.

    Wenn ich beim Autofahren oder in Städten Graffiti entdecke, erstaunt mich häufig die Farbenvielfalt. Ich mag die scharfen Konturen, die Farbverläufe und die Art, wie Schicht für Schicht etwas entsteht. Besonders fasziniert mich das Spiel mit der Verformung von Buchstaben.

    Mein Lieblingsgraffiti?

    Na ja.

    Ich komme ursprünglich aus Bonn.

    INF.

    Natürlich.

    In Foren fragen Menschen immer wieder, was das denn nun bedeuten würde – und warum man nicht einfach etwas „Richtiges“ sprayen könne.

    Ich muss dann grinsen, beschließe, mich nicht einzumischen, und schließe das Forum wieder.

    Viele Graffiti habe ich im Kopf. Und ich freue mich jedes Mal, wenn mir wieder eines begegnet.

    Ausgerechnet ein technisch sehr spartanisch und ziemlich laienhaft ausgeführtes „Graffiti“ hat meine Gedanken und Gefühle aber bis heute in Bewegung gehalten.

    Es stand in großen schwarzen und roten, krakeligen Buchstaben auf einer riesigen Betonschräge unter einer Brücke:

    „The only good nation is the imagiNation.“

    Wer weiß, wofür INF steht, hat das Glück, es zu wissen.

    Und wer nicht weiß, wofür INF steht, hat das Glück, seine Imagination spielen zu lassen.

  • Sein

    Sein

    Was wir im Alter lernen, lernen wir von den Kindern, weil wir es durch Erwachsene, als wir noch Kinder waren, verloren haben.

    Ich finde das gar nicht abwegig. Erstens, weil ich es selbst so erlebt habe, und zweitens, weil nicht jeder Erwachsene Kinder erst zurechtbiegen muss, bevor diese selbst erwachsen werden. Erwachsenwerden ist nämlich ganz einfach.

    Warum wollen Kinder erwachsen werden?

    Ich habe gesehen, wie meine Oma Einkaufszettel schrieb. Sie hatte die unendliche Macht anzugeben, welches Mittagessen wir an welchem Tag aßen – und welchen Nachtisch es dazu gab.

    Meine Eltern machten sich für die Arbeit fertig. Ganz schick. Also musste Arbeitengehen etwas sehr Wichtiges und auch Schönes sein. Schickmachen kannte ich von Familienfeiern und Feiertagen. Das konnte nur etwas Gutes bedeuten.

    Meine älteren Geschwister bekamen irgendwann ihr eigenes verdientes Geld. Sie zeigten mir stolz ihre ersten selbstgekauften Baggyhosen, Pullover und luden mich zu einer großen Portion Eis ein.

    Dass man tut, was Mama und Papa sagen, war ja klar. Also Eltern werden musste auch prima sein.

    Alles in allem wurde einem vermittelt: Erwachsen werden ist mega toll. Mach das!

    So wurde ich groß.

    Als ich endlich Verantwortung übernehmen durfte, wollte ich das unbedingt.

    Ich tat viele Dinge auf meine Weise.

    Denn ich hatte das große Glück, nicht Erwachsene zu haben, die ständig sagten: „Du musst aber dies und jenes“ oder „Es wäre besser, wenn Du erst …“. Denn die Anforderungen, die ich an mich stellte, waren die, die man ohnehin zum Erwachsenwerden benötigte.

    Und die kommen auch, ohne dass ein Erwachsener schon im Kindergartenalter anfängt zu sagen: „Uh, Schule. Da beginnt der Ernst des Lebens.“

    Denn den Ernst kenne ich sehr gut. Der begegnet mir immer dann, wenn ich an Erwachsene denke oder mit welchen zu tun habe, die wollen oder wollten, dass ich erwachsen bin – entweder als ich noch ein Kind und dazu außerstande war oder als ich definitiv schon erwachsen war und mir das keiner mehr sagen musste.

    Denn ich und Du – sind ja einfach nur Ich und Du.

    Und vielleicht können wir genau das wieder ein bisschen von Kindern lernen.

    Ein Kind kann minutenlang einen Käfer beobachten, durch Gras streichen oder einfach irgendwo liegen – und braucht dafür keinen Grund. Es muss anschließend nicht erklären, was ihm diese Zeit gebracht hat.

    Es ist nicht faul und es „verschwendet“ keine Zeit.

    Es ist einfach da.

    Einer meiner Lieblingsmenschen sagte vor ein paar Wochen zu mir:

    „Faul sein. Das gibt es gar nicht. Das haben sich nur andere ausgedacht, um einem ein schlechtes Gefühl zu geben.“

    Ich musste darüber nachdenken.

    Denn wie oft bewerten wir einen Moment danach, was wir darin geschafft haben? Wie sinnvoll wir ihn genutzt haben? Ob wir produktiv waren?

    Dabei gibt es Momente, in denen es nichts zu erreichen gibt.

    Man darf einen Käfer einfach anschauen.
    Man darf im Gras liegen.
    Man darf die Sonne spüren.
    Man darf nichts vorhaben.

    Vielleicht ist das gar kein Nichtstun.

    Vielleicht ist das einfach Sein.

  • Der Duft meiner Kindheit

    Der Duft meiner Kindheit

    Als Kind schlenderte ich mit meinen Eltern oft durch den Park von Schloss Sanssouci in Potsdam.

    Friedrich der Große liebte die französische Kultur, und bis heute trägt Sanssouci viele Spuren dieser Zeit. Für mich als Kind war das natürlich nebensächlich. Für mich waren da vor allem der große Park, die Wege – und der Lavendel.

    Immer wieder gingen wir an üppigen Lavendelsträuchern entlang. Meine Mutter erzählt von einer verwandten Tante, die um die Jahrhundertwende 1800 einst Gärtnerin in diesem wunderbaren Park gewesen sein soll.

    Wenn man ganz nah an den Lavendelsträuchern vorbeiging, blieb der Duft an der Kleidung hängen. Anschließend roch man wunderbar nach Lavendel.

    Mich beruhigt dieser Duft bis heute.

    Mein Nervensystem fährt herunter und ich entspanne mich. Mich zieht es richtig zu diesem Duft hin. Sehe ich irgendwo Lavendel blühen oder im Winter trocken stehen, reibe ich an den Blättern oder streife ganz nah an den Büschen vorbei.

    Auch heute noch.

    Als Kind hätte ich mich hineinlegen können.

    Meine Mutter hat mir diese Liebe wohl vererbt.

    Sie backte Lavendelplätzchen und flocht Lavendelkolben.

    Heute habe auch ich Lavendel in meinem Garten. Erst seit einem Jahr. Dieses Jahr konnte ich zum ersten Mal ernten – und meinen ersten eigenen Lavendelkolben flechten.

    Geerntet habe ich an einem trockenen Morgen. Die Blüten waren bereits leicht geöffnet und verströmten diesen wunderbaren Duft.

    Dann saß ich da mit den langen Stielen vor mir und begann, meinen ersten Lavendelkolben zu flechten.

    Blüte für Blüte verschwand unter dem karierten Band.

    Und plötzlich war da etwas, das viel weiter zurückreichte als bis zu meinem eigenen Garten.

    Der Park.
    Meine Kindheit.
    Meine Mutter.
    Dieser Duft.

    Manche Dinge begleiten uns durchs ganze Leben.

  • Jetzt kann es losgehen.

    Jetzt kann es losgehen.

    10 Uhr. Wochenende. Ich bin richtig gut ausgeschlafen.

    Katzen, Meerschweinchen und Fische sind gut gelaunt und der Tag steht in den Startlöchern.

    „Es kann losgehen“, lachen die Sonnenstrahlen mich durch die Fenster an.

    Der frisch zubereitete Smoothie kühlt im Kühlschrank runter, meine Lieblingsmenschen sind im Trott.

    „Gleich“, zwinkere ich den Sonnenstrahlen zu.

    Auf dem Weg vom Kompost zurück zum Haus greife ich mir spontan den Liegestuhl. Ich richte ihn zur Sonne hin aus und … aaaahhhh … keiner will was von mir.

    Kippfunktion nach hinten, Füße hoch, Körper und Gewicht an die Unterlage abgeben.

    Durch die geschlossenen Augen leuchtet das Sonnenlicht – samtig orange. Ein leichter Windhauch weht zart über meinen Körper, über die Oberschenkel, den Bauch, lässt die feinen Härchen um mein Gesicht vibrieren und kitzelt mich.

    Ich hebe die Hand vor die Augen und schaue durch schmale Schlitze.

    Die Sonnenstrahlen werden zu schillernden Perlenketten.

    Die bewegten Bäume seufzen und ich höre den Wind fröhlich:

    „Es kann losgehen.“

    Ja, denke ich.

    Jetzt kann es losgehen.

  • Kleine Erfolge feiern

    Kleine Erfolge feiern

    Ich möchte Erfolge würdigen.

    Nicht, um das große Ziel aus den Augen zu verlieren, sondern weil jeder einzelne Schritt bereits Teil des Weges ist.

    Oft höre ich den Satz: „Feiere kleine Erfolge, aber verliere das Ziel nicht aus den Augen.“ Er klingt zunächst sinnvoll. Und doch frage ich mich, ob der zweite Teil nicht manchmal die Freude über den gerade erreichten Schritt wieder etwas kleiner macht.

    Wenn wir einen Erfolg erleben, dürfen wir ihn doch einfach genießen.

    Vielleicht fühlen wir uns danach ein wenig mutiger. Ein wenig stabiler. Ein wenig reflektierter. Vielleicht entdecken wir Fähigkeiten in uns, die wir vorher gar nicht gesehen haben.

    Das große Ganze – meine Träume, meine Werte oder das, worauf es mir im Leben wirklich ankommt – trage ich ohnehin in mir. Genau deshalb bewege ich mich ja Schritt für Schritt darauf zu.

    Jede Etappe macht den neuen Zustand ein Stück vertrauter.

    Heute Morgen zog es mich in den Wald.

    Ich suchte Bewegung und gleichzeitig Entspannung.

    Dort wird mir immer wieder bewusst, dass der Wald etwas viel Größeres ist als ich selbst. Ich nehme seine Vielfalt wahr, seine Kraft und seine Ruhe. Alles scheint seinen Platz zu haben. Alles wirkt im Gleichgewicht.

    Ich lasse mich von den Gerüchen tragen, beobachte das wechselnde Licht zwischen den Bäumen und die vielen Grüntöne des Waldes.

    Zwei Rehkitze nehmen mich kaum wahr. Und ich sie ebenso wenig.

    Während dieser Zeit im Wald entsteht etwas Besonderes.

    Innerer Frieden.

    Vertrauen.

    Glücksgefühl.

    Dieser Moment vergeht.

    Doch er hinterlässt etwas in mir.

    Vielleicht genau deshalb suche ich solche Momente immer wieder bewusst auf.

    Denn jeder einzelne von ihnen macht den Menschen, der ich sein möchte, ein kleines Stück stärker.