Schlagwort: Verbindung

  • Fundstücke

    Fundstücke

    Sommer.

    Der Rhein hat seinen historischen Tiefstand erreicht.

    Es zieht uns nach draußen. Mit dreien meiner Lieblingsmenschen schlendere ich durch die Natur – mehr fokussiert als zielorientiert.

    Im Gepäck befinden sich frische, kühle Weintrauben, zarte Butterkekse, lockeres Sauerteigbrot und reichlich prickelndes Wasser.

    Wir pflücken reife, überreife und auch noch unreife Brombeeren. Wir empfinden die trockengelegten Algen als bizarr. Lassen uns gerne vom starken Wind erfassen und uns die Haare durcheinanderwirbeln.

    Wir lachen, staunen und genießen.

    Wir suchen, entdecken und kreieren.

    Ein langer Tag, der viel zu schnell zu Ende ging.

    Erfüllt und taub vor Glück lehnen wir uns am Abend zurück und verschwenden unsere Zeit mit den allerschönsten Momenten des Tages. Wir lassen sie nachklingen, denn es gibt nichts anderes zu tun.

    Ein paar Momente später erfasst uns dieses Glück erneut, als wir den Rucksack leeren und Muscheln, Steine, Federn und jede Menge Sand in unseren Händen halten.

    Das war ein bleibender Moment.

  • Ich denke an Dich

    Ich denke an Dich

    Ich habe das große Glück, mit einigen meiner Lieblingsmenschen zusammenzuleben.

    Wir begegnen uns im Alltag, leben nebeneinander her und gehen unseren eigenen oder gemeinsamen Aktivitäten nach. Auch wenn einer meiner Lieblingsmenschen gerade unterwegs ist, wissen wir mit Sicherheit, dass dieser Mensch wiederkommen wird. Darüber hinaus ist grundlegendes Vertrauen eine Gewissheit, die wir nicht ständig prüfen müssen und die uns innere Ruhe schenken kann.

    So sehr ich auch dafür bin, dass jeder Mensch für sich selbst stehen und eine eigenständige Persönlichkeit sein darf, so glaube ich doch, dass wir alle das Bedürfnis haben, Verbindung zu anderen Menschen aufzubauen und zu pflegen. Zumindest kenne ich das Gefühl des Alleinseins, das – wenn man sich lange damit beschäftigt – leicht in Einsamkeit übergehen kann.

    Wie schön, erfüllend und bestätigend ist da ein kleiner Impuls unserer Lieblingsmenschen, der uns zeigt, dass wir ihnen wichtig sind.

    Einer meiner Lieblingsmenschen ist ein Meister darin, Nähe und Verbindung entstehen zu lassen.

    Kleine Nachrichten, die auf dem Küchentisch oder an meiner Kinderzimmertür hingen, waren schon in meinem Elternhaus Gang und Gäbe.

    „Viel Erfolg bei der Mathearbeit.“
    „Im Kühlschrank ist noch Joghurt.“
    „Bin im Museumsgarten. Gegen 13 Uhr zurück.“

    So und viele weitere.

    Nicht bloß informativ – auch herzlich.

    Er hat an mich gedacht, obwohl ich gar nicht da war. Er hat für mich mitgedacht. In diesem Moment spüre ich: Ich bin ihm wichtig.

    Meist stehe ich später auf als mein Lieblingsmensch. Im Bett tappt meine Hand ins Leere. Ich gehe meiner Morgenroutine nach.

    Dann entdecke ich in der Küche – auf dem Schrank, dem Esstisch oder der Küchenzeile – einen kleinen, manchmal auch größeren Zettel.

    Kleine Zeichnungen: eine Sonne, ein zwinkernder Smiley, ein Herz.

    Symbole.

    Und Symbole tragen Bedeutung in sich. Sie stehen für Gedanken, Erinnerungen oder Gefühle.

    Dieses Gefühl spüre ich sofort.

    Meine Augen gehen der Schrift nach. Ein Lächeln legt sich auf meine Lippen. Ich lese die Nachricht noch einmal. Und noch einmal.

    Ich bin glücklich.

    Ich nehme mir einen Stift und schreibe zurück. Aus einer kleinen Nachricht entsteht eine Unterhaltung.

    Sinngemäß:

    „Ich denke an Dich.“

    „Du bist mir wichtig.“

    Danke, dass es Dich gibt.