Schlagwort: Selbstwahrnehmung

  • Balance der Woche #007 – Kleine Erfolge wahrnehmen

    Balance der Woche #007 – Kleine Erfolge wahrnehmen

    Manches, was uns gelingt, ist so klein, dass wir schon darüber hinweggegangen sind, bevor wir es überhaupt bemerken.

    Wir erledigen etwas, treffen eine Entscheidung, fangen irgendwo an oder bringen etwas zu Ende. Vielleicht tun wir etwas, das uns schwergefallen ist. Vielleicht sorgen wir für uns, obwohl der Tag voll war.

    Und dann geht es weiter.

    Dabei muss ein Erfolg nichts Großes sein. Er braucht keinen Applaus und kein besonderes Ergebnis.

    Diese Woche möchte ich Dich deshalb einladen, Deinen Blick auf die kleinen Dinge zu richten, die Dir im Alltag gelingen.

    Nicht, um jeden Tag positiv bewerten zu müssen.

    Sondern um wahrzunehmen, was sonst vielleicht unbemerkt geblieben wäre.

    Dein Wellenimpuls

    Nimm Dir am Abend einen kurzen Moment und gehe Deinen Tag noch einmal in Gedanken entlang.

    Was ist Dir heute gelungen?

    Vielleicht findest Du etwas ganz Kleines.

    Etwas, bei dem Du normalerweise einfach weitergegangen wärst.

    Drucke Dir den Wellenimpuls aus oder speichere ihn auf Deinem Tablet. Begleite Dich damit durch diese Woche und entdecke, was Du alles tust, schaffst und bewältigst, ohne es bisher besonders wahrzunehmen.

    Vielleicht verändert sich dabei nicht Dein Tag.

    Aber ein wenig Dein Blick auf das, was Du selbst darin geschafft hast.

    Bis nächste Woche.

  • Wut darf sein

    Wut darf sein

    Es gibt Gefühle, die dürfen wir gerne zeigen.

    Freude. Liebe. Dankbarkeit. Begeisterung.

    Und dann gibt es Gefühle, bei denen wir ziemlich schnell lernen, sie wieder einzupacken.

    Wut gehört für mich dazu.

    „Beruhige dich.“

    „Reg dich nicht so auf.“

    „Das ist doch kein Grund, wütend zu werden.“

    Dabei ist Wut erst einmal genau das: ein Gefühl.

    Und vielleicht sollten wir ihr manchmal zuhören, bevor wir versuchen, sie möglichst schnell wieder loszuwerden.

    Wut hat einen Grund

    Ich kann wütend werden, wenn mich jemand verletzt.

    Wenn ich unfair behandelt oder provoziert werde.

    Wenn mich jemand nicht ernst nimmt.

    Oder wenn eine meiner Grenzen überschritten wird.

    Man darf dann wütend sein.

    Und man darf sich wehren.

    Man darf sagen:

    Stopp.

    So möchte ich nicht behandelt werden.

    Das geht mir zu weit.

    Das möchte ich nicht.

    Vielleicht brauchen wir unsere Wut manchmal sogar genau dafür. Sie macht uns darauf aufmerksam, dass etwas für uns nicht stimmt.

    Wut ist nicht Aggression

    Dabei gibt es für mich einen wichtigen Unterschied:

    Wütend zu sein und einen anderen Menschen zu verletzen, ist nicht dasselbe.

    Ich darf wütend sein, ohne jemanden zu beschimpfen oder anzugreifen.

    Ich darf widersprechen.

    Nein sagen.

    Eine Situation verlassen.

    Meine Stimme darf auch einmal lauter werden.

    Ich muss nicht vollkommen ruhig bleiben, damit meine Grenze berechtigt ist.

    Gerade das finde ich wichtig.

    Denn wenn jemand immer wieder gegen meine Grenze drückt, kann meine Reaktion irgendwann deutlicher werden.

    Das macht meine Grenze nicht weniger wertvoll.

    Was möchte meine Wut mir sagen?

    Vielleicht können wir Wut deshalb einmal nicht als Störenfried betrachten, sondern als Hinweis.

    Was passiert hier gerade mit mir?

    Was hat mich getroffen?

    Was brauche ich?

    Wo liegt meine Grenze?

    Was möchte ich schützen?

    Damit wird aus:

    „Ich darf nicht wütend sein.“

    eine viel hilfreichere Frage:

    „Warum bin ich gerade wütend?“

    Und manchmal ist die Antwort überraschend einfach:

    Weil mir etwas wichtig ist.

    Ich kann entscheiden

    Nicht jede Wut muss sofort hinaus in die Welt.

    Manchmal brauche ich erst Abstand.

    Ich kann spazieren gehen. Etwas aufschreiben. Durchatmen. Eine Nacht darüber schlafen.

    Oder sagen:

    „Ich bin gerade zu wütend. Wir reden später darüber.“

    Auch das ist Handlungsfähigkeit.

    Ich muss meine Wut weder hinunterschlucken noch ihr vollkommen die Führung überlassen.

    Ich darf sie wahrnehmen, ernst nehmen und dann entscheiden, was ich damit mache.

    Auch Wut gehört zu mir

    Vielleicht besteht innere Balance gar nicht darin, immer ruhig und ausgeglichen zu sein.

    Wir dürfen uns freuen, wenn wir glücklich sind.

    Weinen, wenn wir traurig sind.

    Angst wahrnehmen, wenn uns etwas Angst macht.

    Und wütend sein, wenn etwas in uns ganz deutlich Nein sagt.

    Für mich bedeutet Balance deshalb auch, allen meinen Gefühlen einen Platz zu geben, ohne dass eines von ihnen alles bestimmen muss.

    Wut darf da sein.

    Sie darf mir zeigen, dass etwas nicht stimmt.

    Sie darf mir Kraft geben, mich zu positionieren.

    Und sie darf wieder gehen.

    Ich muss nicht gegen meine Wut kämpfen.
    Ich darf lernen, ihr zuzuhören.

  • Erleben

    Erleben

    Zwei Menschen können dieselbe Situation erleben und sich später ganz unterschiedlich an sie erinnern.

    Fragt die Polizei nach einem Verkehrsunfall verschiedene Zeugen, kann es sein, dass zwei Menschen etwas vollkommen Unterschiedliches berichten. Der eine erinnert sich an ein rotes, der andere an ein blaues Auto, das den Unfallort verlassen hat. In einem Punkt stimmen beide jedoch überein: Das Auto fuhr schnell davon. Vielleicht beschreiben beide es sogar als hektisch oder fluchtartig.

    Was genau geschehen ist und wie wir etwas erlebt haben, muss also nicht dasselbe sein.

    Manche Einzelheiten scheinen zu verblassen oder verändern sich in unserer Erinnerung. Anderes bleibt erstaunlich deutlich. Vielleicht kann sich das Wie eines Augenblicks tiefer einprägen als ein Detail, das für uns in diesem Moment keine besondere Bedeutung hatte.

    Erleben ist subjektiv.

    Als Kind begegnete mir René Magrittes berühmtes Bild einer Pfeife mit den Worten:

    „Ceci n’est pas une pipe.“ – Dies ist keine Pfeife.

    Doch, dachte ich. Natürlich ist das eine Pfeife. Ich sehe sie doch.

    Erst später verstand ich: Es war tatsächlich keine Pfeife. Ich hätte sie weder stopfen noch mit ihr rauchen können. Vor mir befand sich das Bild einer Pfeife.

    Und trotzdem hatte ich eine Pfeife erkannt.

    Meine Wahrnehmung hatte mich nicht belogen. Sie hatte etwas erkannt, eingeordnet und gedeutet.

    Unser Erleben ist ein vielschichtiges Zusammenspiel aus Sinneseindrücken, Körperempfindungen, Gedanken und Gefühlen. Und es unterliegt vielen Einflüssen.

    Ich kenne zum Beispiel das Gefühl, das entsteht, wenn ich einen ganz bestimmten Duft rieche.

    Ich könnte diesen Duft niemals wirklich beschreiben. Dafür ist er viel zu flüchtig. Und noch bevor ich versuchen könnte, einzelne Duftnoten zu erkennen, ist da längst etwas anderes:

    Glück und Geborgenheit.

    Ich weiß nicht mehr, was es ursprünglich einmal für ein Duft war. Ich weiß nicht mehr, wo ich ihn zum ersten Mal gerochen habe oder in welcher Situation. Vielleicht wusste ich es irgendwann einmal.

    Was geblieben ist, ist das Gefühl.

    Gefühle verknüpfen sich im Laufe unseres Lebens mit Erfahrungen und Erinnerungen. Neue Erlebnisse kommen hinzu, alte verblassen, manches verbindet sich miteinander.

    Und manchmal bleibt etwas, obwohl Zeit, Ort und Anlass längst unscharf geworden sind.

    Vielleicht muss ich später nicht mehr wissen, ob dort wirklich ein Bild hing, wer es aufgehängt hat oder was dazu gesagt wurde.

    Wenn etwas ein Gefühl in mir hinterlassen hat, dann ist dieses Gefühl heute da.

    Ich darf ihm glauben – als meinem Gefühl.

    Es beweist mir nicht jedes Detail der Vergangenheit. Es sagt mir nicht zweifelsfrei, was wann, wo und wie geschehen ist.

    Das muss es auch gar nicht.

    Es erzählt mir, wie etwas in mir weiterlebt.

    Vielleicht ist meine Realität deshalb gar nicht so zerbrechlich, wie sie manchmal erscheint.

    Ich darf wissen, was ich weiß.
    Ich darf fühlen, was ich fühle.
    Ich darf mich erinnern, woran ich mich erinnere.

    Und bei dem, was ich nicht mehr sicher weiß, darf ich sagen:

    Ich weiß es nicht.

    Das eine nimmt dem anderen nichts.

    Und ich muss nicht anfangen, jede Erinnerung auseinanderzunehmen, nur um herauszufinden, welcher Teil davon ganz sicher war.

    Nicht alles muss aufgeklärt werden. Nicht jede Lücke muss geschlossen werden. Nicht jede Unsicherheit braucht eine Antwort.

    Manchmal darf eine Erinnerung unvollständig bleiben.

    Ich muss sie nicht wieder und wieder betrachten, überprüfen und neu zusammensetzen, bis ich glaube, endlich Gewissheit gefunden zu haben.

    Denn vielleicht gibt es diese Gewissheit gar nicht mehr.

    Und auch das darf sein.

    Ich muss nicht jede Erinnerung verstehen, um meinem Erleben vertrauen zu dürfen.

    Ich muss mich nicht zwischen absoluter Gewissheit und vollständigem Zweifel an mir selbst entscheiden.

    Vielleicht bedeutet dem eigenen Erleben zu vertrauen nicht, jede Erinnerung für unumstößlich zu halten.

    Vielleicht bedeutet es, unterscheiden zu dürfen.

    Zwischen dem, was ich weiß.
    Dem, was ich erinnere.
    Dem, was ich daraus deute.
    Und dem, was ich fühle.

    Ohne daraus eine neue Aufgabe zu machen.

    Ich darf hinschauen, wenn mir das Hinschauen etwas gibt.

    Und ich darf einen Gedanken auch wieder ziehen lassen.

    All das gehört zu meinem Erleben.

  • Balance der Woche #003 – Sonnenlicht fühlen

    Balance der Woche #003 – Sonnenlicht fühlen

    Manchmal genügt ein Schritt nach draußen, um den eigenen Tag für einen Moment anders wahrzunehmen.

    Licht begleitet uns ganz selbstverständlich durch unseren Alltag. Morgens wird es heller, im Laufe des Tages verändert es sich und am Abend verschwindet es langsam wieder. Meist geschieht all das, ohne dass wir ihm besondere Aufmerksamkeit schenken.

    Dabei können wir Licht nicht nur sehen. Wir können es auch spüren.

    Die Wärme auf der Haut. Die Helligkeit um uns herum. Den Unterschied zwischen Licht und Schatten. Vielleicht auch die Veränderung, die wir in uns selbst bemerken, wenn wir für einige Minuten nach draußen gehen.

    Für diesen Wellenimpuls brauchst Du deshalb nichts weiter zu tun, als Dir ein wenig Zeit zu schenken.

    Nicht, um möglichst viel Sonne zu bekommen.
    Nicht, um Dich anschließend anders fühlen zu müssen.

    Sondern um wahrzunehmen:

    Wie fühlt sich Tageslicht für mich heute an?

    Vielleicht entdeckst Du dabei etwas, das jeden Tag da ist – und dem Du bisher nur selten bewusst begegnet bist.

    Bis nächste Woche.