Schlagwort: Mundhygiene

  • Ölziehen – 10 Minuten, die zu meinem Morgen gehören

    Ölziehen – 10 Minuten, die zu meinem Morgen gehören

    Parodontitis. Igitt.

    Bakterien und entzündetes Zahnfleisch, Zahnfleischtaschen, zurückgehendes Zahnfleisch – und dann womöglich irgendwann freiliegende Zahnhälse. Besonders schön klang das für mich nicht.

    Die Diagnose bekam ich gemeinsam mit meinem damaligen Partner, als wir beide Mitte 20 waren. Mein Zahnarzt erklärte mir, dass die Zahnfleischtaschen ausgespült beziehungsweise behandelt werden sollten, und gab mir einen Termin – in ungefähr drei Wochen.

    Drei Wochen?

    So lange wollte ich auf gar keinen Fall einfach nur warten. Es ging schließlich um meine guten Zähne. Und der Gedanke, dass sich mein Zahnfleisch immer weiter zurückziehen könnte, gefiel mir überhaupt nicht.

    Also tat ich etwas, das ich schon damals gerne gemacht habe: Ich fing an zu lesen.

    Ich recherchierte in verschiedenen Foren und stieß beim Lesen medizinischer Zeitschriften immer wieder auf etwas, das ich vorher überhaupt nicht kannte:

    Ölziehen.

    Die Vorstellung faszinierte mich. Öl im Mund bewegen und immer wieder durch die Zahnzwischenräume ziehen – könnte das vielleicht meine Mundhygiene zusätzlich unterstützen und auch Stellen erreichen, an die ich sonst nur schwer herankam?

    Einen Versuch war es mir wert.

    Mein erster Versuch mit Kokosöl

    Kokosöl bekam ich ganz unkompliziert bei meinem Discounter.

    Was mich zunächst überraschte: Das Zeug war fest.

    Also nahm ich, wie ich es gelesen hatte, ungefähr einen Teelöffel davon in den Mund. Durch die Wärme wurde das Kokosöl schnell flüssig und ich begann zu spülen und es immer wieder durch die Zahnzwischenräume zu drücken.

    10 bis 15 Minuten sollte ich das machen.

    Keine Chance.

    Nach kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, mein Mund wäre randvoll. Ich musste das Öl ausspucken und fragte mich ernsthaft, wie andere Menschen das minutenlang schaffen sollten.

    Aber ich wollte es zumindest bis zu meinem Zahnarzttermin weiter ausprobieren.

    Also nahm ich am nächsten Morgen weniger.

    Einen halben Teelöffel.

    Das funktionierte schon wesentlich besser.

    Als ich irgendwann zum ersten Mal ungefähr fünf Minuten geschafft hatte, staunte ich nicht schlecht über das Gefühl danach. Mein Mund fühlte sich für mich unglaublich sauber und frisch an.

    Ich mochte dieses Gefühl.

    Und aus fünf Minuten wurden nach und nach zehn.

    Und dann kam mein Zahnarzttermin

    Drei Wochen später saß ich wieder auf dem Behandlungsstuhl.

    Ich hatte mich innerlich längst darauf eingestellt, dass meine Zahnfleischtaschen nun wie angekündigt ausgespült beziehungsweise behandelt würden.

    Doch dann kam die Überraschung.

    Meine Zahnärztin schaute sich mein Zahnfleisch sehr gründlich an und meinte sinngemäß:

    „Hm … bei Ihnen ist es eigentlich gar nicht so schlimm. Da muss ich nichts machen.“

    Statt der erwarteten Behandlung sollte ich zur Kontrolle wiederkommen beziehungsweise mich melden, falls es wieder schlechter würde.

    Ich war natürlich begeistert.

    Bei meinem damaligen Partner musste die geplante Behandlung dagegen durchgeführt werden. Er empfand sie als ziemlich unangenehm und musste auch in den Tagen danach beim Essen noch aufpassen.

    Ob meine drei Wochen Ölziehen tatsächlich etwas mit meinem Befund beim zweiten Termin zu tun hatten, kann ich rückblickend natürlich nicht feststellen.

    Für mich war dieses Erlebnis aber der Anfang von etwas, das bis heute geblieben ist:

    mein morgendliches Ölziehen.

    Seit mehr als 15 Jahren

    Fast jeden Morgen nehme ich inzwischen einen ganzenTeelöffel Kokosöl und ziehe es ungefähr zehn Minuten durch meinen Mund und meine Zahnzwischenräume.

    Es gehört zu meinem Morgen wie andere kleine Routinen auch.

    Und ich mag dieses saubere Gefühl danach noch immer.

    Meine Zahnpflege ist ansonsten ziemlich unspektakulär: Morgens und abends Zähneputzen, Ölziehen am Morgen und Zahnseide – bei Letzterem könnte ich zugegebenermaßen regelmäßiger sein. Besonders dann denke ich daran, wenn sich beispielsweise Popcorn oder Mais hartnäckig zwischen meinen Zähnen versteckt hat.

    Über die Jahre begegneten mir immer wieder Menschen, bei denen Ölziehen ebenfalls längst zu ihrer Zahnpflegeroutine gehört. Einige erzählten mir ähnlich begeistert davon und auch davon, dass sie mit ihren Zähnen bei den Kontrollen sehr zufrieden seien.

    Vielleicht hat auch das dazu beigetragen, dass mein Kokosöl für mich irgendwann etwas ganz Selbstverständliches geworden ist.

    Einmal im Jahr gehe ich zur zahnärztlichen Kontrolle. Und ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder höre, dass meine Zähne schön und gepflegt aussehen.

    Für mich funktioniert diese Routine seit vielen Jahren wunderbar.

    Was weiß man heute über Ölziehen?

    Als ich damals mit dem Ölziehen anfing, interessierte mich vor allem meine eigene Erfahrung. Heute finde ich es spannend, auch darauf zu schauen, was inzwischen wissenschaftlich untersucht wurde.

    Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass Ölziehen die Zahl bestimmter Mundbakterien verringern kann. Die bisherige Studienlage ist allerdings noch begrenzt und ein eindeutiger Nutzen für Plaque oder Zahnfleischentzündungen ist nicht belegt.

    Für mich bleibt Ölziehen deshalb das, was es seit vielen Jahren ist:

    eine Ergänzung meiner Zahnpflege.

    Zähneputzen, Zahnzwischenraumpflege und regelmäßige Zahnarztbesuche gehören natürlich weiterhin dazu.

    Mein kleines Morgenritual

    Vielleicht ist es genau das, was ich am Ölziehen so gerne mag.

    Es kostet mich kaum etwas. Ich brauche keine komplizierte Ausstattung. Ich stehe morgens auf, nehme mein Kokosöl und kann während der zehn Minuten schon andere Dinge erledigen.

    Und irgendwann merke ich:

    Ach, meine zehn Minuten sind schon wieder vorbei.

    Dann spucke ich das Öl aus und beginne meinen Tag mit diesem wunderbar sauberen Mundgefühl, das ich inzwischen seit mehr als 15 Jahren kenne.

    Für mich habe ich damit etwas sehr Einfaches gefunden, das sich gut anfühlt und ganz selbstverständlich zu meiner persönlichen Zahnpflege gehört.

    Und manchmal sind es genau solche kleinen Dinge, die bleiben.