Ganz spontan kam mir der Gedanke nicht.
Er war seit Jahren immer mal wieder da. Etwas wehmütig, etwas fragend, wieso – aber nicht vorwurfsvoll in irgendeine Richtung.
Man hat regelmäßig mit einem lieben Menschen Kontakt. Trifft sich, schreibt Nachrichten hin und her und ist eben einfach im Kontakt.
Keiner kann es nachher so richtig rekonstruieren, aber irgendwann fällt einem auf: Wo ist eigentlich mein Freund, mein Kumpel, die Person, mit der ich so viele gute Gespräche hatte? Mit der es so gut tat, sich zu treffen?
Ich denke all die Jahre immer mal wieder an diese Person. An das, was ich noch weiß. Wo sie damals stand. Und stelle mir vor, wie wunderbar ihr Leben wahrscheinlich laufen wird.
„Hey. Ich hier. Würde mich freuen, wenn Du Dich mal meldest. Hier meine Nummer.“
Schreibe ich spontan auf einem Parkplatz irgendwo auf einen Zettel, falte ihn einmal in der Mitte und werfe ihn in den Briefkasten, von dem ich weiß: Der gehörte vor Jahren noch diesem Menschen. Der Name steht auch noch an der Tür.
Ein kleines Kribbeln läuft mir durch den Bauch.
Das könnte gut werden, denke ich mir und setze meinen Weg fort.
Ein paar Tage später erscheint auf meinem Handy eine Nachricht.
„Hey. Ich hier. Habe Deine Nachricht erhalten. Wohne dort nicht mehr. Wir könnten einen Kaffee trinken.“
Yeay. Freude.
Wir treffen uns nachmittags zum Kaffee. Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen? Wie kam es überhaupt dazu, dass der Kontakt einschlief?
Ungeklärte Fragen. Eine genaue Rekonstruktion schaffen wir nicht. Ist aber auch gar nicht von Bedeutung.
Wow, was alles passiert ist in dieser Zeit.
Ich führe aus, der Freund führt aus. Wir sind auf dem neuesten Stand. Auf und Abs in den letzten Jahren. Wir ziehen ein Resümee, befinden vieles für besser, einiges für schlechter.
Aber die Werte stimmen immer noch: Zuversicht, Gesundheit, Karriere, innere Balance, stabilisiert durch Selbstliebe.
Und immer wieder reflektieren wir. Wie einfach es hier ist, mal von sich wegzutreten. Die letzten Jahre etwas anders zu sehen, gemeinsam mal einzuordnen.
Wir haben uns sofort, in den ersten paar Sekunden, wiedergefunden.
Unangestrengt und sicher. Der andere versteht uns. Und wenn nicht, dann fragen wir eben nochmal nach.
Einfach, ungezwungen, ein wenig wissend und immer neugierig.
Vielleicht ist es ein bisschen wie mit einer Blüte, die jedes Jahr neu erscheint. Eine Zeit lang ist sie ganz verschwunden. Nicht vergessen – nur nicht da. Und wenn sie wiederkommt, kennt man sie sofort. Vertraut. Gleich und doch ein wenig anders.
Ob wir uns wieder aus den Augen verlieren?
Kann schon sein.
Aus dem Herzen jedenfalls nicht.
16 Jahre – auch wenn die Phasen mal länger sind, in denen man sich nicht sieht.
Es tut gut, zu wissen, dass etwas bleibt.



