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  • Tautreten – meine kleine Kneipp-Tour am Morgen

    Tautreten – meine kleine Kneipp-Tour am Morgen

    Im Urlaub und zu Hause.

    Ich höre noch meine Mutter fröhlich rufen:
    „Jaha, die gute Kneipp-Tour. Jetzt machen wir Tautreten.“

    Direkt nach dem Aufstehen, mit noch warmen Füßen auf die feuchte, kühle Wiese hinaustreten.

    Als Kind war das eine kleine Mutprobe. Es war ein wenig wild, ein bisschen anders, irgendwie alternativ. Die Kälte ließ mich aufhüpfen und möglichst schnell durch das nasse Gras laufen.

    „Dann hat man den ganzen Tag warme Füße“, schwärmte meine Mutter und reichte mir anschließend warme Socken.

    Heute verstehe ich viel mehr von dem, was ich damals noch nicht begriff – und auch gar nicht begreifen musste.

    Tautreten gehört zu den traditionellen Kneipp-Anwendungen. Der kurze Kältereiz an den warmen Füßen regt die Durchblutung an und setzt einen Reiz für den Kreislauf und das vegetative Nervensystem. Auf den kurzen Kältereiz folgt die Wiedererwärmung – auf Anspannung wieder Entspannung.

    Wenn ich heute auf meiner Wiese Tautrete, dann weniger ausgelassen als damals als Kind.

    Bedachte, langsame Schritte wähle ich. Die Kühle lässt mich nicht mehr so aufhüpfen wie damals.

    Der Himmel ist noch etwas verwaschen von der Nacht, die Sonne hinter den Häusern noch nicht zu sehen. Unsere Amsel hüpft schon emsig über die Wiese und lässt sich von mir nicht stören.

    Die macht jeden Tag ihr Tautreten.

    Ich drehe ein paar Runden im Garten, schaue mir ungezwungen und unaufgeregt dies und jenes an. Das Gras kitzelt ganz sanft meine Füße und kühlt sie.

    An der Terrassentür sammle ich die Grashalme zwischen den Zehen und gehe wieder ins Haus.

    Warme Socken sind für mich im Sommer anschließend kein Muss.

    So darf der Tag beginnen. Geerdet, geklärt – und mit warmen Füßen.