Schlagwort: Kindheit

  • Lebensfreude zwischen den Stufen

    Lebensfreude zwischen den Stufen

    In meinem Elternhaus hatten wir viele Treppen mit vielen Stufen.

    Und da ich ein aktives Kind war, das sich gerne selbst durch Rennen beschleunigte, waren Treppen jeder Art für mich das reinste Spieleparadies.

    Hochrennen. Eine oder zwei Stufen überspringen. Noch mehr, wenn man sich dabei am Geländer schwungvoll nach oben zog. Auf allen Vieren – rasend schnell.

    Abwärts auf dem Treppengeländer rutschen, trippeln, mit beiden Beinen hüpfen oder tanzend im 1-2er-Rhythmus die Stufen hinunterhopsen.

    Ein Riesenspaß für mich als Kind.

    Wer weiß – vielleicht habe ich daher heute meine kraftvollen Sprunggelenke. 🙂

    Ich gehe noch immer gerne Treppen.

    Prachtvolle Aufgänge in Parks und Innenstädten genauso wie die Treppen im Parkhaus.

    Auch in meinem jetzigen Zuhause habe ich einige davon und benutze sie gerne ganz bewusst. Mit Wäschekörben, Einkaufstaschen oder Schwimmtaschen. Schwungvoll, kraftvoll und meistens fröhlich.

    Und manchmal auch ganz ohne etwas in den Händen.

    Dann sind da wieder diese kleinen Tanzeinlagen auf meinen Treppen.

    Bewegung muss für mich nicht immer erst beginnen, wenn ich Sportkleidung anziehe.

    Manchmal liegt sie einfach zwischen zwei Etagen.

  • Der Duft meiner Kindheit

    Der Duft meiner Kindheit

    Als Kind schlenderte ich mit meinen Eltern oft durch den Park von Schloss Sanssouci in Potsdam.

    Friedrich der Große liebte die französische Kultur, und bis heute trägt Sanssouci viele Spuren dieser Zeit. Für mich als Kind war das natürlich nebensächlich. Für mich waren da vor allem der große Park, die Wege – und der Lavendel.

    Immer wieder gingen wir an üppigen Lavendelsträuchern entlang. Meine Mutter erzählt von einer verwandten Tante, die um die Jahrhundertwende 1800 einst Gärtnerin in diesem wunderbaren Park gewesen sein soll.

    Wenn man ganz nah an den Lavendelsträuchern vorbeiging, blieb der Duft an der Kleidung hängen. Anschließend roch man wunderbar nach Lavendel.

    Mich beruhigt dieser Duft bis heute.

    Mein Nervensystem fährt herunter und ich entspanne mich. Mich zieht es richtig zu diesem Duft hin. Sehe ich irgendwo Lavendel blühen oder im Winter trocken stehen, reibe ich an den Blättern oder streife ganz nah an den Büschen vorbei.

    Auch heute noch.

    Als Kind hätte ich mich hineinlegen können.

    Meine Mutter hat mir diese Liebe wohl vererbt.

    Sie backte Lavendelplätzchen und flocht Lavendelkolben.

    Heute habe auch ich Lavendel in meinem Garten. Erst seit einem Jahr. Dieses Jahr konnte ich zum ersten Mal ernten – und meinen ersten eigenen Lavendelkolben flechten.

    Geerntet habe ich an einem trockenen Morgen. Die Blüten waren bereits leicht geöffnet und verströmten diesen wunderbaren Duft.

    Dann saß ich da mit den langen Stielen vor mir und begann, meinen ersten Lavendelkolben zu flechten.

    Blüte für Blüte verschwand unter dem karierten Band.

    Und plötzlich war da etwas, das viel weiter zurückreichte als bis zu meinem eigenen Garten.

    Der Park.
    Meine Kindheit.
    Meine Mutter.
    Dieser Duft.

    Manche Dinge begleiten uns durchs ganze Leben.