Schlagwort: Graffiti

  • Künstler

    Künstler

    Im Schulunterricht in Deutschland gibt es das Fach Kunst. Und das hat ebenso seine Berechtigung wie übrigens Sport.

    Um unser studiertes Fach auch in Zukunft mit Sicherheit unterrichten zu können, gab es an der Universität sogar ein eigenes Seminar dazu: Was ist Sport für eine Bereicherung für Kinder – und weshalb sollte dafür während der Schulzeit auch einmal Lesen, Schreiben oder Rechnen ausgesetzt werden?

    Wir büffelten Leitsätze, schauten uns die geschichtliche Entwicklung des Sportunterrichts in Deutschland an und waren ziemlich überrascht darüber, dass man überhaupt gegen das Fach Sport argumentieren konnte.

    Ob es den Kunststudenten für Lehramt ähnlich ging, weiß ich nicht.

    Zumindest war das in Mathe und Deutsch niemals die Frage. Beim Fach Englisch stellte ich sie mir selbst – und fand die Antwort irgendwann in der Biografie eines meiner Lieblingsmenschen – Man muss das schon auch wollen.

    Unterstützt in meiner Kreativität hat mich der Kunstunterricht auf jeden Fall. Ich bekam neue Techniken, Stilrichtungen und handwerkliche Fähigkeiten an die Hand.

    Kunst erkenne ich daran, dass sie etwas in mir auslöst.

    Am liebsten positive Emotionen. Überraschende Perspektiven. Die Harmonie, wenn etwas zusammenpasst. Spannend finde ich aber auch Gegensätze, die sich gegenseitig erst interessant machen.

    Und für Kreativität braucht man Mut, sich auszudrücken.

    Ich habe nicht den Anspruch, andere von meiner Kunst zu überzeugen. Aber ich möchte sie erklären können. Vielleicht kann ich einem anderen Menschen damit ein wenig näherbringen, was ich daran besonders gelungen finde und warum ich etwas genau so gemacht habe. Diese Erklärung kommt aber nur, wenn ich gefragt werden sollte.

    Kunst muss mich also berühren, wenn ich sie betrachte. Irgendwo im Innersten.

    Wenn ich selbst künstlerisch oder kreativ bin, geht es noch um etwas anderes. Dann gibt es eine Emotion, einen Gedanken oder ein Gefühl – und ich möchte versuchen, etwas davon sichtbar und vielleicht sogar für andere spürbar zu machen.

    Ich möchte etwas transportieren.

    Und dafür suche ich das Material, die Form oder die Technik, die mir dabei helfen kann.

    Die Kunst, die für mich wohl am präsentesten ist und am lautesten nach Aufmerksamkeit ruft, ist Graffiti.

    In meiner Umgebung ist es in den vergangenen zwanzig Jahren etwas seltener geworden. In der Rheinaue gibt es allerdings schon lange eine freie Graffiti-Wand, die sich immer wieder verändern darf. Jeder darf dort sprayen.

    Wenn ich beim Autofahren oder in Städten Graffiti entdecke, erstaunt mich häufig die Farbenvielfalt. Ich mag die scharfen Konturen, die Farbverläufe und die Art, wie Schicht für Schicht etwas entsteht. Besonders fasziniert mich das Spiel mit der Verformung von Buchstaben.

    Mein Lieblingsgraffiti?

    Na ja.

    Ich komme ursprünglich aus Bonn.

    INF.

    Natürlich.

    In Foren fragen Menschen immer wieder, was das denn nun bedeuten würde – und warum man nicht einfach etwas „Richtiges“ sprayen könne.

    Ich muss dann grinsen, beschließe, mich nicht einzumischen, und schließe das Forum wieder.

    Viele Graffiti habe ich im Kopf. Und ich freue mich jedes Mal, wenn mir wieder eines begegnet.

    Ausgerechnet ein technisch sehr spartanisch und ziemlich laienhaft ausgeführtes „Graffiti“ hat meine Gedanken und Gefühle aber bis heute in Bewegung gehalten.

    Es stand in großen schwarzen und roten, krakeligen Buchstaben auf einer riesigen Betonschräge unter einer Brücke:

    „The only good nation is the imagiNation.“

    Wer weiß, wofür INF steht, hat das Glück, es zu wissen.

    Und wer nicht weiß, wofür INF steht, hat das Glück, seine Imagination spielen zu lassen.